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Schneeweißchen im Garten

Von seiner bunten Umgebung hebt sich ein offen-geschlossenes Haus deutlich ab

Bunt und ein wenig ungeordnet stehen die meisten Häuser in Kleingartensiedlungen. Das ist im... mehr

Bunt und ein wenig ungeordnet stehen die meisten Häuser in Kleingartensiedlungen. Das ist im Westen Wiens nicht anders. Caramel Architekten haben hier dieser oft farbenfrohen Nachbarschaft ein weißes Gebäude gegenübergestellt. Dessen einheitliche Hülle sticht hervor und nimmt sich doch dezent zurück, wenn tags die Schatten der Blätter über die Fassade tanzen und nachts nur noch die beleuchteten Lichtbänder das Haus erahnen lassen. Ein Eindruck, der vor allem dem ungewöhnlichen Fassadenmaterial zu verdanken ist, das den Stahlbetonbau umhüllt. Der wetterfeste Acrylstein Corian® wurde so verarbeitet, dass die Ecken nahtlos aneinander stoßen und so nur die Horizontale durch schmale Schattenfugen betont wird. Selbst die Abschlüsse der Attiken wurden mit diesem Material ausgeführt.

Zur Straßenseite zeigt sich das Haus fast komplett geschlossen. Lediglich das schmale Oberlichtband im Erdgeschoss lässt die Wohnnutzung erahnen. Umso überraschender ist die nahezu grenzenlose Offenheit zum Garten hin. Über eine Länge von 12 m lassen sich die Fenster im Erdgeschoss komplett öffnen, wodurch ein nahtloser Übergang auf die Terrasse und zum anschließenden Garten mit Pool möglich wird.

Ebenfalls aus Corian® gefertigt weist die Kücheninsel den Weg durch den lang gestreckten Raum, der fließend am Essbereich vorbei vor der Glasfläche des Wohnbereichs endet. Heller, robuster Terrazzo definiert das Erdgeschoss als offene Zone und betont die Fläche. Die Materialwahl erweitert sich mit der Treppe, deren Holzstufen von Stahlwangen getragen werden. Durch die dunkleren, warmen Farbtöne deutet sich der Wechsel der Wohnzonen an. Oben liegen Schlaf- und Ankleidezimmer neben Büro und einem gemütlichen Fernsehbereich. Auch hier gewährt ein Fensterband den weiten Blick über die Stadt, schützend getragen von einer halbhohen Brüstung. Intimer, privater ist dieses mit einem Holzboden belegte Geschoss. Es könnte als zwischengeschobene Ruhezone gelten, als Ort zum Durchatmen zwischen dem lebendigen Erdgeschoss und dem, was oben noch kommt. Denn was von außen wie ein aufgesetztes Bauklötzchen erscheint, ein spielerischer Zusatz, erweist sich als Bad mit spektakulärer Aussicht. Hier wiederholt sich das Material des Erdgeschosses und betont damit die Gegensätzlichkeiten zu dem zwischengeschobenen Wohngeschoss. Die Gegensätzlichkeit zeigt sich auch im Raum selbst: Durch seine großen Fensterflächen mit der weiten Fernsicht gibt er Extrovertiertheit vor und ist doch einer der intimsten Räume des Hauses.

www.caramel.at


Wohnfläche: 299,4 m²
Grundstücksgröße: 569,77 m²
Bauzeit: 2018–2021
Bauweise: Stahlbetonbau mit Corianfassade

Fotos:

Hertha Hurnaus
www.hurnaus.com



(Erschienen in CUBE Wien 03|22)