Gegen Wegwerfarchitektur

„Element & Lingot“ – visionäre Nachverdichtung in Moabit

Die Überschrift dieses Artikels ist einem Aufsatz des Bauhistorikers Vittorio M. Lampugnani entlehnt und bringt genau das auf den Punkt, was das Berliner Architekturbüro Studio Loes mit seinem Projekt „Element & Lingot“ erzielen wollte bzw. realisiert hat: Die Architekten betonen, mit diesem Projekt eine Vision im Sinne einer intelligenten Nachverdichtung und ressourcensparendem Bauen verwirklicht zu haben. Der Mehrwert, der hier geschaffen werden konnte, besteht in der Modernisierung des Bestandes und den 28 neuen Wohnungen, die durch maximale Nachverdichtung und Aufstockung zusätzlich entstanden sind.

Zwischen die vier bestehenden Wohngebäude, jeweils zwei Vorder- und Hinterhäuser in Moabit, setzten die Architekten auf engem Raum ein fünfgeschossiges Wohnhaus, das sie „Element“ nennen. Auf insgesamt 3.370 m2 konnten hier zwanzig Drei- bis Fünfzimmerwohnungen mit einer Größe zwischen 57 und 101 m2 geschaffen werden. Dank eines nach aussen gestülpten Skeletts aus Stahlbeton-Fertigteilen, einem so genannten Exoskelett, werden die Wohnungen nach dem Vorbild traditioneller Laubengänge in jedem 2. Geschoss von aussen erschlossen. Durch Verlängerung der Gänge  an der Ost- und Südseite entstehen zusätzliche Aufenthaltsorte für die Bewohner:innen. Erst hinter diesen Umgängen liegt die eigentliche Fassade.  Die Aufstockungen der Bestandsgebäude – „Lingot“ genannt – erfolgte durch eine Neuinterpretation der sogenannten Berliner Dächer. Darunter verstand man angetäuschte Satteldächer, die sich außerhalb des Sichtfeldes in Flachdächer verwandeln. So ergibt sich mehr Platz für Gauben und – da die Dachschräge entfällt – auch die Möglichkeit größere Wohnungen unterzubringen. Hier bedienten sich die Architekten ebenfalls vorgefertigter Bauteile, wie Holzrahmenkonstruktionen für die Stabilisierung der Dächer und Betonfertigteile sowie Holzmodule für die Schaffung der Wohnungen. Für die Heizung setzte man auf Photovoltaik und Wärmepumpen und konnte so das KfW Label erlangen. So gelang es, insgesamt acht großzügige Vier- bis Fünfzimmer-Wohnungen zu realisieren. Der Rhythmus der neuen Dächer harmoniert mit der darunter liegenden Fassade des Gebäudes und schafft eine nahtlose Integration von alten und neuen Elementen. Ein weiteres Argument für diese Vorgehensweise ist, dass sie die Bauzeit verringert und die Lärmbelästigung reduziert wird. Die Dächer werden extensiv begrünt und auch die Restflächen zwischen den Häusern werden nach dem Vorbild der „Tiny Forests“ von Akira Miyawaki „aufgeforstet“.

www.studio-loes.com

Fotos:

Nate Cook
www.natecookphotography.com

(Erschienen in CUBE Berlin 01|24)

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