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Black Pearl gesichtet

Innovative Architekturlösung für einen Dachbodenausbau

Auf dem Dach eines Gründerzeithauses befindet sich die „Black Pearl“. Außen schwarz, innen weiß... mehr

Auf dem Dach eines Gründerzeithauses befindet sich die „Black Pearl“. Außen schwarz, innen weiß liegt diese Wohnung wie ein Schiff mit Balkon, Cockpit und Terrassen über den Dächern der Josefstadt. Sie erstreckt sich der Länge nach fast 20 m von Süden nach Norden. Die Formensprache dieses neuen Teils am Dach ist von ineinander verfliesenden Flächen geprägt, die sich scheinbar mühelos in die komplexe Geometrie der sich verschneidenden Dächer einfügen. Ein echtes Himmelbett ist das Bett unter der Acrylglaskuppel. An Deck befindet sich der Garten, von wo aus der Blick ungehindert an den Spitzen der Wiener Stadtsilhouette entlang wandern kann.

Von Anfang an sollte dieses Projekt auch dazu dienen, innovative Formgebung auszuprobieren, um sie bei nachfolgenden Projekten in verbesserter Form wieder anwenden zu können. Die Schlafkuppel wurde entworfen, um 3-fach gekrümmte Flächen zu detaillieren, das MIG Cockpit, um industrielle Teile in die Architektur zu integrieren, die Hülle um eine solare Klimaregulierung zu optimieren. Das Charakteristische am Bauprozess war die Notwendigkeit, das alte Dach vollständig zu entfernen und ein „Haus auf dem Haus“ aus kleinteilig zusammengesetzten Elementen zu schaffen. „Wir nannten es ,space ship shaping‘. Dieser Begriff leitet sich aus dem englischem „ship shape“ ab, der die genaue Planung jedes einzelnen Details im Schiffsbau mit minimalen Abmessungen bezeichnet“, so Architekt Martin Flatz. Ein zweites Entwurfsthema war „die fließende Ästhetik der zeitgenössischen Landschaft“. Die Dachlandschaft von Wien ist eine Ebene voller Phantasie. Nicht unweit steht der Rathausmann auf seiner neogotischen Turmspitze. Während die pragmatischen Fassaden der hohen Bürotürme diese Landschaft stören, integrieren sich die Plexiglaskuppel und der Dachgarten der Black Pearl harmonisch in die Umgebung.

Der Dachgarten bietet eine effektive Kühlung der darunterliegenden Wohnung. Im Winter muss die Brennwerttherme den Warmwasserkreislauf meist nicht über 45° C erwärmen. Der geschickt abgestimmte Glasanteil sorgt für solare Wärmezugewinne bei tief stehender Sonne, während maximale Verschattung bei hochstehender Sonne gewährleistet ist. Die Ostfassade und die Schlafkuppel sind als Pufferräume wirksam. Im Dachgarten wachsen jedes Jahr Gewürze, Gemüse, Obst und Blumen. Der organische Abfall aus dem Haushalt wird zu Kompost gemacht, wobei kein zusätzlicher Technikaufwand nötig ist. „Mit diesem Projekt wollen wir aufzeigen, dass auch mit einem geringen Volumen eine überdurchschnittlich hohe Wohn- und Lebensqualität erzeugt werden kann, und dass wir die Architektur dazu brauchen, um über den Dächern Wiens ein neues Zeitalter einzuläuten“, resümiert Flatz.

www.flatzarchitects.com

Architekten: Flatz Architects www.flatzarchitects.com Fotos: Martin Flatz mehr

Architekten:

Flatz Architects www.flatzarchitects.com

Fotos:

Martin Flatz