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Grenzen überwinden

Licht in urbanen Räumen als öffentlicher Diskurs – Ein Interview mit Mischa Kuball

Grenzen überwinden
Mischa Kuball, res·o·nant, 2017, Licht- und Klanginstallation im Jüdischen Museum Berlin 2017–2019, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
CUBE: Herr Kuball, wenn Sie Licht im öffentlichen Raum einsetzen, geht es Ihnen weniger darum,... mehr
CUBE: Herr Kuball, wenn Sie Licht im öffentlichen Raum einsetzen, geht es Ihnen weniger darum, Verborgenes in den Fokus zu rücken, sondern auf Vorhandenes aufmerksam zu machen. Was lassen Sie den Betrachter sehen und spüren?

Mischa Kuball: Das ist immer ein Wechselspiel. Und Verborgenes ist natürlich ebenso vorhanden. Doch durch Licht wird vieles erst sichtbar. Sichtbar machen heißt heute ja auch, ein Bild von etwas zu erzeugen, das eine breite Aufmerksamkeit nach sich zieht. Folglich befinden sich Licht und Bild nicht in einem wertfreien Raum mit der Konsequenz, dass immer auch eine gesellschaftliche Wirkung erzielt wird. Der österreichische Künstler und Ausstellungskurator Peter Weibel hat es in Bezug auf meine Projekte ganz trefflich mit „Lichtpolitik“ beschrieben. Ohne Bilder kann man in der heutigen Gesellschaft nicht agieren. Das habe ich bereits deutlich 1994 bei meiner Installation „refraction house“ in Stommeln, Pulheim erfahren. Die dortige Synagoge strahlte in leuchtendem Licht über den Ort hinaus direkt, um bildlich zu bleiben, in die damalige Debatte, in der – nach den Anschlägen in Rostock-Lichtenhagen und Solingen – die Zivilgesellschaft auf dem Prüfstand stand: Wie wollen wir zusammen leben? Wie gehen wir mit unserer jüngeren Vergangenheit um? Diese Fragen müssen wir uns heute nach den Vorfällen in Chemnitz wieder stellen. Im Übrigen: Das Licht aus der Synagoge in Stommeln beleuchtet heute auch den Parkplatz eines Fußballplatzes und erzeugt somit eine Verbindung zu zwei scheinbar ungleichen sozialen Handlungsräumen.

Wie gehen Sie bei Ihren Projekten vor, wenn Sie an das Zusammenspiel Raum, Licht und Betrachter denken?

Allen voran steht die Recherche zum Ort und zu seiner Geschichte sowie zu den Menschen, die diesem Kontext verbunden sind. Daraus entsteht oft die erste Idee, meistens ein temporärer Eingriff, wie es beispielsweise 2013 die „Ghosttram“ in Katowice, Polen gewesen ist: Wir haben eine historische Tram hell ausgeleuchtet und in einer nächtlichen Aktion ohne Fahrgäste, Haltestellen und Ziel auf die Fahrt geschickt. Mit diesen Mitteln der Intervention kann ich radikaler agieren, wenngleich oft nur auf begrenzte Zeit. Ein anderes Beispiel ist die dauerhafte Lichtinstallation „MetaLicht“ an der Bergischen Universität in Wuppertal von 2012, die sich in einem mehrjährigen Dialog mit dem Rektor Prof. Lambert T. Koch und der Stadtgesellschaft entwickelt hat. Durch vertikale und horizontale Lichtstreifen an der Betonarchitektur der 1970er-Jahre sucht die Universität den Dialog mit seiner Umgebung und unterzieht sich mit 6.000 möglichen Varianten einer ständigen Entwicklung und Veränderung, ähnlich der Sprache und kulturellen Systemen. Allen Projekten gemeinsam ist, dass sie sich an die Öffentlichkeit wenden und der Betrachter zum handelnden Akteur auf einer urbanen Bühne wird.

Welche Projekte an welchen Orten möchten Sie noch verwirklichen?

Die Liste ist naturgemäß zu lang. Ich erlebe gerade, wie sich ein realisiertes Projekt noch einmal anders weiterentwickeln lässt. Momentan wird die Licht- und Klanginstallation „res·o·nant“ im Jüdischen Museum Berlin präsentiert: Im Innenraum rotieren Spiegel, entladen sich Licht-Blitze, das Licht kreist in den 24 m hohen Voids und zusätzlich sind eigens komponierte Klänge von 220 Musiker*innen zu hören. Das Projekt hat sich vor Ort und weit über Berlin hinaus zu einem ergebnisoffenen Labor entwickelt. Bei mir selber entstand der Gedanke, die Entwurfsidee des Architekten Daniel Libeskind – das Verorten zerstörter jüdischer Leben – anhand von Persönlichkeiten wie Carl von Ossietzky, Paul Celan, E. T. A. Hoffmann aufzunehmen und mit Licht und Klang in den urbanen Raum zu tragen. Wie Sie merken, ist da noch vieles zu tun und zu entdecken. Das Licht begleitet und führt mich auf dieser Suche.

Herr Kuball, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Elena Berkenkemper.

Mischa Kuball

1959 in Düsseldorf geboren.
Konzeptkünstler im öffentlichen und institutionellen Raum. Mit Hilfe des Mediums Licht erforscht er architektonische Räume und deren soziale und politische Diskurse. Er reflektiert die unterschiedlichen Facetten, von kulturellen Sozialstrukturen bis hin zu architektonischen Eingriffen, die den Wahrzeichencharakter und den architekturgeschichtlichen Kontext betonen oder neu kodieren. In politisch motivierten und partizipatorischen Projekten verschränken sich öffentlicher und privater Raum. Seit 2007 Professor für Public Art an der Kunsthochschule für Medien in Köln.  www.mischakuball.com

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