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Wie entsteht eine gute Kommunikation zwischen Bauherrn und Architekt?

Interview mit Thomas Wacker von Fuchs Wacker Architekten

CUBE: Herr Wacker, bitte schildern Sie uns den Werdegang der gemeinsamen Entwicklung eines... mehr

CUBE: Herr Wacker, bitte schildern Sie uns den Werdegang der gemeinsamen Entwicklung eines Bauvorhabens; auf welchen Wegen lernen Sie die Personen, Ihre späteren Bauherrn kennen?

T. WACKER: Wir begehen drei Wege, wenn es um Akquisition geht. Der erste ist eine gute Empfehlung von Freunden oder Geschäftspartnern, die ihren Bekannten ein gutes Ergebnis zeigen können. Dieser Weg war besonders in den ersten Jahren unserer Selbstständigkeit sehr wichtig. Eine weitere Möglichkeit ist die Publikation in Zeitschriften und Büchern, die dafür sorgt, dass wir aufgrund wiederkehrender Präsenz einen Bekanntheitsgrad erzielt haben. Der dritte Weg ist eine aktuelle Homepage. Um wirklich im Gedächtnis zu bleiben, benötigt man aber alle drei Formen der sich ergänzenden Akquisition.

Zudem nehmen wir auch immer gerne die Gelegenheit wahr, uns auf Veranstaltungen zu präsentieren, die dem „Networking“ dienen. Hier in der Region kennt man die Initiative „0711architekten“, bei der Fuchs Wacker eines der Gründungsmitglieder sind. Auf solchen Veranstaltungen gewinnt man das Vertrauen durch den persönlichen Kontakt, der sich im direkten Gespräch ergibt. Hier hat man auch die Möglichkeit, dem Ruf der Architekten, dass sie eher das Haus für sich bauen anstatt für ihre Bewohner, entgegenzuwirken. Es scheint eine Befürchtung der Bauherrn zu bestehen, dass Architekten deren Bauvorstellungen diskutieren, aber nicht unbedingt darauf eingehen, obwohl es der Auftraggeber am Ende bezahlt.

CUBE: Welche Fragen stellen Sie dem Bauherrn, damit er seine Wünsche formulieren kann?

T. WACKER: Unsere Bauherrn leben so individuell, was sich in den Gebäuden widerspiegelt, die wir für sie bauen. Der Weg dahin gestaltet sich meistens durch viele Gespräche in entspannter Atmosphäre, in denen sich die Bauherrn öffnen und manchmal Geheimnisse oder Unzulänglichkeiten erzählen. Nur so gelangen wir zu einer persönlich zugeschnittenen Lösung. Meistens kommen Paare zu uns, die ihre Wünsche noch nicht bis ins Detail formuliert haben. Gemeinsam entwickeln wir dann den Prozess für die Gestaltung. Manchmal hat ein Bauherr schon eine konkrete Vorstellung und versucht dann diese in Form von konkreten Raumgrößen zu formulieren. Andere skizzieren eine Art Raumdiagramm, das die Abhängigkeiten der Räume darlegt. Weitere zeigen uns Fotos ihrer Lieblingsprojekte. Wir sind selbst immer wieder verblüfft, wie genau man das treffen kann, was ein Bauherr sich zunächst noch gar nicht vorstellen konnte.

CUBE: Welche Rolle kommt dabei dem Baugrundstück oder der Himmelsrichtung zuteil?

T. WACKER: Eine wichtige Frage. Neben den Wünschen des Bauherrn spielt das Baurecht hier eine entscheidende Rolle, z. B wenn es um die Dachform oder die Festlegung von Gebäudehöhen geht. Da greifen wir auf unsere Erfahrung und unsere Ideen zurück um sinnvoll mit den Normen umzugehen, aber trotzdem nehmen die Vorschriften Einfluss. Besonders Stuttgart ist diesbezüglich ein spezielles Feld. Anhand der Gebäudeform kann ich Ihnen genau sagen aus welchem Jahr der Bebauungsplan stammt bzw. welche Landesbauordnung hier zu jener Zeit galt. Weil die Freiheit der Gestaltung mit zunehmenden Jahren immer weiter eingeschränkt wurde, arbeiten wir inzwischen auch gerne in anderen Städten wie Frankfurt oder Berlin, mit einem deutlich liberaleren Baurecht. Auch die Orientierung, die sich in Besonnung, Zugänglichkeit, Parkierung oder möglichen Emissionen zeigt, ist ein wichtiger Faktor um ein Gebäude zu entwickeln.

Speziell in Stuttgart können die Hanglagen mit entsprechendem Ausblick einen Entwurf charakteristisch prägen. Es stellt einen Unterschied dar, ob ein Hanggrundstück von unten oder von oben angefahren wird und ob man den Eingang in den Keller legt oder das Haus von oben entwickeln muss.

CUBE: Wie verfahren Sie bei den Alterungsfähigkeiten von Materialien, z. B. bei verschiedenen Holzarten?

T. WACKER: Wir versuchen vor allem Materialien zu verwenden, deren Alterung berechenbar bleibt. Was uns nicht gefällt, sind Werkstoffe die sich verändern und nach Jahren in Form und Farbe etwas gänzlich anderes darstellen als zum Zeitpunkt des Einbaus. Wir schätzen Materialien wie Holz, das auch in Form einer Lamelle, Wärme ausstrahlt. Um diese Wärme und wohltuende Ausstrahlung aber zu generieren, arbeiten wir stattdessen vorzugsweise mit verschiedenfarbig eloxierten Alulamellen. Um den lebhaften Charakter zu erhalten, sind die einzelnen Lamellen unterschiedlich breit sowie unterschiedlich stark. So entsteht im Gesamten dann ein Bild, das mindestens gleichermaßen warm, lebhaft und angenehm in der Ausstrahlung ist, wie Holz. Natursteine haben die Eigenschaft nach einigen Jahren eine Patina zu bilden und sehen immer noch charaktervoll und wertig aus. Um einen schönen Kontrast zu erhalten, stellen wir solchen Fassadenflächen gerne glatte Putzflächen gegenüber, die eine handwerkliche Oberflächenqualität ausstrahlen. Dafür gibt es ausgefeilte Techniken, welche jedoch nur wenige Handwerker beherrschen und zudem nicht preisgünstig sind. So kann sich eine Fassade in verschiedene Materialien auflösen und unterschiedliche Funktionen erfüllen, die optisch als eine harmonische Komposition lesbar sind. Auch diese Eigenschaften einer Fassade mit einer künstlerischen Qualität ist eine Form der Nachhaltigkeit. Ein Begriff der sich in den meisten Fällen auf die Bereiche Haustechnik, Energieeinsparung und Materialien bezieht.

CUBE: Wie überzeugen Sie den Bauherrn, dass auch die Planung des Innen- sowie Außenraums in gleicher Formensprache sehr wichtig für den Gesamteindruck des Gebäudes ist?

T. WACKER: Die gestalterische Harmonie von innen und außen funktioniert nur, wenn beim Ein- und Austreten sowie beim Durchschreiten des Hauses kein Bruch entsteht. Vorraussetzung dafür ist ein ständiger Ansprechpartner, der die vielen, einzelnen Gespräche führt. Nur so können Bauherrn und Architekt zusammenwachsen und ein Gespür für die Wünsche und Vorstellungen des Anderen bekommen.

Herr Wacker, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Birgit Schmolke

Fotos Maks Richter www.maks-richter.com Johannes Vogt www.johannes-vogt.de Brigida... mehr