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Davidsterne als Raumfachwerk

Die neue Synagoge auf dem Ulmer Weinhof

In unmittelbarer Nähe der ehemaligen, in der Progromnacht zerstörten Synagoge, mitten auf dem... mehr

In unmittelbarer Nähe der ehemaligen, in der Progromnacht zerstörten Synagoge, mitten auf dem Ulmer Weinhof, steht die neue Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Den Wettbewerb für den Neubau initiierte die Religionsgemeinschaft gemeinsam mit der Stadt Ulm. Die Wahl der Jury fiel einstimmig auf den Entwurf von kister scheit­hauer gross architekten und stadtplaner. Der Spatenstich erfolgte am 17. März 2011, knapp 20 Monate später wurde das Bauwerk fertiggestellt.

Der Neubau umfasst als kompakter Quader die Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum, freistehend mitten auf dem Platz. Diese Verortung ergibt sich aus der Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Lücke, die das zerstörte Gebäude hinterlassen hatte, mit einem weltlichen Gebäude gefüllt. Der angestammte Ort war verloren. Heute scheint die Synagoge einen Schritt nach vorn gemacht zu haben - mitten auf den Ulmer Weinhof hinaus. Ohne baulichen Saum, als Solitär. Der glatte Baukörper kommt dabei ohne Vor- und Rücksprünge der Kalksandsteinfassade aus. Im Innern finden sich ein Foyer im Erdgeschoss, eine unterirdische Mikwe und ein Versammlungssaal im ersten Obergeschoss. Im zweiten Obergeschoss liegen die Schul- und Versammlungsräume, im Dritten - geborgen in einem nicht einsehbaren Innenhof - die Kindertagesstätte mit Außenspielfläche. Letztere bildet gleichzeitig das Dach des Sakralraums. Alle Räume im Innern des Gebäudes sind orthogonal organisiert, mit Ausnahme des Gebetssaals als eigentlicher Synagoge. In einer Drehung um die einzige freistehende Innenstütze erstreckt sich die Längsachse des Raums in die Raumdiagonale. Diese hat in ihrer Ausrichtung eine übergeordnete religiöse Bedeutung - sie zielt geographisch exakt nach Jerusalem, dem geistlichen und religiösen Zentrum des Judentums. Im Sakralraum befindet sich ein Eckfenster, das mit dem Motiv des Davidsterns als Raumfachwerk spielt. Zusammengesetzt ist dieses aus 85 einzelnen David­sternen. Das Eckfenster sticht als Blickfang aus der Schlichtheit des Gebäudes heraus. Bei der Konzeption sahen sich die Architekten vor eine große Herausforderung gestellt: Sie mussten eine konstruktive Lösung für die Natursteinverkleidung vor einer Pfosten-Riegel-Konstruktion finden, die von innen revisionierbar ist. So hängen nun - gewissermaßen in einer umgedrehten Konstruktion - die Natursteinplatten an der Pfosten-Riegel-Konstruk­tion des Eckfensters. Die Dreiecksform erwies sich dabei als besonders belastbar, so dass die Konstruktionstiefe deutlich verringert werden konnte. Mit Ausnahme des großen Eckfensters hält sich das Gebäude ansonsten mit Fenstern sehr zurück. Allein in den funktional notwendigen Bereichen durchbrechen Fensteröffnungen die geschlossene Natursteinfassade.

Die Fassade aus Kalkstein umschließt die Stahlbetonkonstruktion. Die vorgehängte Natursteinverkleidung mit geschliffener Oberfläche und geschlossenen Fugen mit farblich abgestimmtem Mörtel besteht aus großformatigen Kalksteinplatten mit versetzten Fugen und in unterschiedlichen Höhenformaten montiert. Der Stein stammt aus Deutschland: Dietfurter Kalkstein, der im bayerischen Dietfurt bei Treuchtlingen gebrochen wird.

Der Gebetsraum bietet Platz für 125 Personen. Die Sitzbänke stammen aus Israel, die Wände sind bis in drei Meter Höhe mit Holztafeln auf einer Holzunterkonstruktion verkleidet. Oberhalb davon sind die Wände mit hellem Akustikputz versehen. Die Innenausstattung der Synagoge basiert nur teilweise auf Plänen von ksg - zum Beispiel der zwölfeckige Leuchter, ein Symbol für die zwölf Stämme Israels (Entwurf: Prof. Susanne Gross mit Ayal Rosin). Rabbiner Shneur Trebnik beauftragte die Anfertigung des Thoraschreins samt Bima, dem erhöhten Podium, von dem aus die Thora verlesen wird, direkt in Israel.

www.ksg-architekten.info

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