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„W(a)ende Südost“

Ein Stadtteil befreit sich aus der Tristesse

Wer lebt eigentlich jenseits der grauen Schallschutzwände entlang der A40? Es sind Menschen die... mehr
Wer lebt eigentlich jenseits der grauen Schallschutzwände entlang der A40? Es sind Menschen die ganz nah dran sind – am Asphalt, am Lärm, oft auch an der Armut. So wie im Essener Südostviertel. Vor Ort arbeitet Florian van Rheinberg, Sozialarbeiter und Projektleiter des „Storp9“, einer Begegnungsstätte für alle Altersgruppen mitten im Viertel. „Trotz, oder gerade wegen aller Widrigkeiten, pulsiert hier eine lebendige Vielfalt mit kreativem Potenzial“, weiß er. „W(a)ende Südost“ ist eines von vielen Projekten, mit denen Künstler, engagierte Essener und Jugendliche ihr graues Viertel bunt gestaltet haben. Denn „Kunst macht sichtbar“.

Das Essener Südostviertel liegt zentral, ist international und gespalten von der Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets. Mit über 130.000 Fahrzeugen täglich zählt die A 40 zu den meist befahrenen Autobahnen Deutschlands. Links und Rechts sind die Perspektiven oft so grau wie die Lärmschutzwände. Es mangelt an Arbeit, Teilhabe, Perspektiven. Dass Kunst im öffentlichen Raum hier viel Positives bewirken kann, hat 2004 bereits die international renommierte Künstlerin Moni van Rheinberg bewiesen. Mit der Fassadengestaltung der Zentrale am Storp Platz legte die inzwischen leider verstorbene Künstlerin den Grundstein für eine buntere Zukunft.

Darauf aufbauend ist 2012 die Idee „W(a)ende Südost“ entstanden. Sie hat 21 lokale, nationale und internationale Künstler auf die Autobahn gebracht, um die tristen Schallschutzwände der A 40 in riesige Wandgemälde zu verwandeln. „Ihr Gemeinschaftswerk ist das Bindemittel für das entzweite Viertel. Selbstbewusst und weithin sichtbar“, so van Rheinberg. Der abweisende Grenzwall wirkt nun wie eine 3,5 Kilometer lange, öffentliche Galerie, die Kunst für jeden kostenlos in die Stadt bringt. Künstlerische Ideengeber des Mural-Art-Projekts waren die Essener Künstler „Gigo“ und „Nils“. Das Projekt ist nicht nur schön anzusehen, es hat auch einen wertvollen Beitrag zur Integration und zur Identifikation mit dem eigenen Umfeld geleistet: Schulen, soziale Institutionen, die lokale Bevölkerung und Sponsoren wurden einbezogen, es gab Performances, Straßenfeste, Partys und Workshops. „So entstand ein völlig neues Selbstverständnis und ein neues Gefühl für den eigenen Lebensraum.“

www.storp9.de



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