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Sympathisch bescheiden

Ein neues Lager komplettiert das Gebäudeensemble des Weinguts Holger Koch

Eigentlich möchte das Weinlager des Weinguts Holger Koch in Vogtsburg-Bickensohl im Kaiserstuhl... mehr

Eigentlich möchte das Weinlager des Weinguts Holger Koch in Vogtsburg-Bickensohl im Kaiserstuhl kein besonderes Gebäude sein – und ist es doch. Denn bei der Lagerung von Wein denkt man zunächst eher an Keller, Gewölbe und Stein. Hier hat man es dagegen mit einer hölzernen Scheune zu tun. Besondere Eigenschaften des Baus sind erforderlich, um den darin gelagerten Wein vor Hitze, Kälte und zu viel Licht zu schützen. Geschickt hat Architekt Ralf Brandhofer dafür Material und Lage des Gebäudes genutzt.

Der langgestreckte und in sich versetzte Baukörper nutzt die Topographie und orientiert sich an den vorhandenen giebelförmigen Gebäuden. Innen ist die Scheune durch drei miteinander verbundene Räume analog zum Produktionsprozess des Weines gegliedert: Tanklager, Barriquefasslager und Flaschenlager. Bis auf den massiven Sockel besteht das Weinlager aus Holz. Während das Innere vom rohen unbehandelten Holz geprägt ist, sind Dach und Längswände von einer metallic-grünen Aluminiumwelle bedeckt. Sie schützt den Holzkörper vor der Witterung und bindet ihn mit ihrer Farbigkeit in die Umgebung ein. An den äußeren Giebelseiten sorgen horizontal auf Lücke verbaute Bretter dafür, dass nur soviel Licht hindurchdringt, wie für die Lagerung von Wein zuträglich ist. Konstruiert ist das Gebäude aus massiven Brettsperrholzwänden, einer gedämmten Sparren- und Pfettenkonstruktion für das Dach und einer Pfostenkonstruktion mit Hohlkammerplatten und Bretterschalung an den äußeren Giebeln. In der Werkstatt vorgefertigt, wurde sie innerhalb kürzester Zeit auf den vor Ort betonierten massiven Sockel aufgesetzt.

Auch wenn Ralf Brandhofer sein Architekturbüro in Berlin hat, so ist er seiner Heimat, dem Schwarzwald, nach wie vor eng verbunden. Dies trifft auch auf den Rohstoff Holz zu, dessen positive Eigenschaften er gezielt einzusetzen weiß. Das Weinlager kommt weitestgehend ohne feste Technik für Kühlung und Heizung aus. Nur das Barriquefasslager und das kleine Weinarchiv werden an sehr heißen Tagen mit Quellwasser gekühlt. Dazu tragen die guten Dämmeigenschaften der verwendeten Massivhölzer und Holzfasern, aber auch die Lage und Ausrichtung des Gebäudes bei. Es macht sich eine Kaltluftschneise zunutze, die nachts mittels Lüftungsklappen und geöffneter Tore eine Durchlüftung und damit Kühlung ermöglicht. 2018 wurde das Weinlager im Rahmen des Holzbaupreises Baden-Württemberg in der Kategorie Gewerbe und Ingenieurbau mit einer Anerkennung gewürdigt.

www.ralfbrandhofer.de

Fotos:

Jessica Siegel

(Erschienen in CUBE Oberrhein/Baden 02|19)