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Meister der Reduktion

Werner Wirsings Lebenswerk – eine Rückschau

Meister der Reduktion
Wirsing, Werner, München, Studentenwohnheim Geschwister-Scholl 1, 1957–1957, Außenfassade
Meister der Reduktion
Werner Wirsing
Meister der Reduktion
Wirsing, Werner, Remscheid, Musische Bildungsanstalt, 1956–1961, Postkarte mit Ansicht aus der Luft
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Wirsing, Werner, Füssen, Hallenbad, 1970–1986, Hallenbad in der Landschaft oben: Wirsing, Werner, Füssen, Hal
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Wirsing, Werner, Füssen, Hallenbad, 1970–1986, Postkarte; Innenraum Cafeteria mit Einrichtung
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Wirsing, Werner, München, Heßstraße 82, Wohn- und Geschäftshaus Winter, 1952–1954, Straßenfassade
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Wirsing, Werner, München - Forstenried, Haus Wirsing, 1957–1957, Außenansicht mit Garten
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Wirsing, Werner, München, Olympisches Dorf, 1969–1971, Bungalow Innenraum; Schreibtisch mit Treppe
Der Nachruhm des Münchner Architekten Werner Wirsing wird für immer mit den genial konstruierten... mehr

Der Nachruhm des Münchner Architekten Werner Wirsing wird für immer mit den genial konstruierten Flachbauten des Olympischen Frauendorfes für die Olympiade 1972 verknüpft bleiben. Die 800 zweigeschossigen Würfel mit einer Kantenlänge von 4,20 m standen in Reih und Glied und waren nach ihrer Umnutzung zum Studentischen Dorf das wohl beliebteste Studentenwohnheim der Stadt. Auf engstem Raum brachte er extrem klug ausgetüfelt, eine Küchenzeile, eine Nasszelle, einen begehbaren Schrank, eine Essecke, einen Schreibplatz, einen Schlafplatz und sogar eine Dachterrasse unter. Das enge beisammen Wohnen war der Kommunikation in hohem Maße förderlich und jeder, der jemals dort gewohnt hatte, wollte nie wieder weg. Das ist mittlerweile Geschichte. Inzwischen mussten die sanierungsbedürftigen und modernen Energiestandards nicht mehr entsprechenden Wohnwürfel abgerissen und von bogevischs Büro in Arbeitsgemeinschaft mit dem schon greisen Werner Wirsing neu konzipiert und wieder aufgebaut werden. Im vergangenen Sommer verstarb Wirsing im Alter von 98 Jahren. In zahlreichen Nachrufen und Trauerfeiern wurde sein Andenken gewahrt, und er würde sich gewundert haben, wie sehr er von der gesamten Architektenschaft verehrt wurde. Spät – unterbrochen vom Einsatz als Soldat im Zweiten Weltkrieg – konnte er ein Architekturstudium beginnen und bereits 1955 gründete er zusammen mit seiner Frau Grete, die auch Architektin war, sein eigenes Büro. Gleich sein erstes Bauwerk war ein Wohnheim für Schüler und Lehrlinge am Massmannplatz. Heute steht es unter Denkmalschutz und ist noch immer verblüffend modern. So auch sein eigenes Wohnhaus in Fürstenried. Stets strebte er nach Einfachheit, sie war ihm ein Ausdruck der Reduktion auf das Wesentliche. Schon als 12-jähriger Junge hatte er die Stuttgarter Weißenhofsiedlung kennengelernt, das Mekka der Klassischen Moderne wurde ihm zum Vorbild. „ww“s – so sein Kürzel, klein und bescheiden – Lebenswerk umfasst zahlreiche Wohnhäuser, Bildungsstätten – und immer wieder Wohnheime für Jugendliche und Lernende. Er widmete sich auch der Lehre und unterrichtete an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, an der Münchner Kunstakademie sowie über 20 Jahre lang an der Fachhochschule ebenso in München.


Werner Wirsing wurde am 4. März 1919 in Gemünden am Main geboren. Er verstarb am 29. Juli 2017 in München. Nach dem Abitur am Münchner Wilhelmsgymnasium wurde er als 18jähriger zum Kriegsdienst eingezogen. So konnte er sein Studium der Architektur an der TU München erst 1946, im Alter von 27 Jahren aufnehmen. Schon 1949 nach dem Studienabschluss begann er sich mit seiner Frau Grete eine Laufbahn als freier Architekt aufzubauen und gründete 1955 sein eigenes Büro. Seine Architektur steht für Einfachheit in der Tradition der Klassischen Moderne. Wirsing unterrichtete an diversen Hochschulen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2007 den Bayerischen Architekturpreis für sein Lebenswerk.

Bildquelle: Architekturmuseum der TU München mehr

Bildquelle:
Architekturmuseum der TU München