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Dramatischer Einschnitt

Geniale Umsetzung eines Erinnerungsortes an das Olympia-Attentat 1972

Fast wären die Olympischen Spiele 1972 in München abgebrochen worden, als der Terrorakt mit... mehr

Fast wären die Olympischen Spiele 1972 in München abgebrochen worden, als der Terrorakt mit zwölf Toten die „heiteren Spiele“ fünf Tage vor deren offiziellem Ende wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel traf. Die Spiele wurden nicht abgebrochen. Erst am 6. September 2017 – also 45 Jahre später – wurde der „Erinnerungsort Olympia-Attentat 1972“ im Olympiapark eröffnet. Bislang hatte es nur einen Gedenkstein vor dem Haus Conollystraße 31, in dem die Geiselnahme stattgefunden hatte, gegeben. Den vom Freistaat Bayern ausgelobten Wettbewerb hatte das Büro Brückner & Brückner Architekten aus Tirschenreuth und Würzburg schon 2015 gewonnen – der Entwurf musste jedoch überarbeitet werden und bis es dann zur Einweihung kommen konnte, vergingen weitere zwei Jahre.

Die Architekten nennen ihren Erinnerungsort „Einschnitt“ – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne könnte es keinen besseren Namen geben: Es war ein gravierender und ein historischer Einschnitt, nicht nur aus politischer und ethischer Sicht, sondern es wurde auch erstmals eine Sportveranstaltung diesen Ausmaßes funktionalisiert, um durch Geiselnahme politische Gefangene frei zu pressen. Den „Einschnitt“ haben die Architekten in gebaute Sprache übersetzt: Einen Hügel, unweit der Connollystraße haben sie „eingeschnitten“, ein Stück – einen „Einschnitt“ herausgeschnitten. Der so entstandene Raum ist begehbar und neben Gedenktafeln für die getöteten Geiseln und den Polizisten, der bei der Befreiungsaktion ebenfalls ums Leben kam, gibt es eine 11 m breite Medienwand, auf der die Ereignisse des Attentats in Originalaufnahmen in Großformat mit Ton gezeigt werden. Wie selbstverständlich fügt sich der Erinnerungsort in die Olympialandschaft ein. Der Landschaft wird etwas weggenommen und der entstehende begehbare Ort fungiert als Denkmal und Mahnmal zugleich – 24 Stunden täglich, an 365 Tagen im Jahr. Blickbezüge zu den authentischen Orten des damaligen Bestehens intensivieren die Wahrnehmung.

Zur Konstruktion: Die Decke über der Ausstellung besteht aus einem vorgefertigten Plattentragwerk aus Stahl und trägt den aufgeschütteten Hügel. Die Stahlbetonwände des hinter der Medienwand liegenden Technikraums sind in den Hügel integriert und dienen als Auflagefläche für die Stahlkonstruktion. Die Fundamentplatte aus Beton wurde vor Ort gegossen und die gesamte Anlage zum Schluss mit einem dunkelgrauen, wetterresistenten Deckanstrich versehen. Die Gestaltung des Erinnerungsortes ist eine geniale Idee der Architekten und weitaus ergreifender, als es ein bloßes Denkmal gewesen wäre, da die Art der Präsentation die Ereignisse von damals wieder ganz nah heranholt.

www.bruecknerundbrueckner.de

Fotos:

André Mühling, München
www.andremuehling.de

Christian Horn, Puchheim
www.horncolor.de

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