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Der Lichtkünstler Ben Wirth

Von der Glühbirne zum High-Tech-Lichtsystem

CUBE: Herr Wirth, wie kamen Sie zum Licht? BEN WIRTH: Licht hat mich schon immer interessiert... mehr

CUBE: Herr Wirth, wie kamen Sie zum Licht?
BEN WIRTH: Licht hat mich schon immer interessiert und ich habe schon während meiner Ausbildung meine ersten Lichtobjekte entworfen. Die Entscheidung, mich ausschließlich dem Licht zu widmen, habe ich 2005 getroffen, nachdem ich zu einer Ausstellung in den Münchner Domagkhallen eingeladen wurde und dort meine erste Serienleuchte tub0 vorstellte.

CUBE: Wie war Ihr Werdegang - und wie der Start ins Berufsleben?
B. WIRTH: Um es kurz zu machen: Nach dem Abitur jobbte ich zunächst ein Jahr bei meinem Vater. Er war Kameramann und hatte eine Werbefilmproduktion; ich half bei der Beleuchtung und beim Bühnenbau. Danach machte ich eine dreijährige Schreinerlehre und studierte anschließend Innenarchitektur an der Kunstakademie in München. Nach dem Mauerfall zog es mich nach Berlin. Dort studierte ich von 1991-1997 an der HdK Architektur. Während des Studiums und danach gestaltete ich mit zwei Mitstudenten verschiedene Berliner Restaurants. Das Leben im Büro, dauernd am Computer zu sitzen war nichts für mich .... ich bin jemand, der sich bewegen, bauen und ausprobieren muss. Zurück in München, habe ich den wichtigen Schritt getan und 2006 die Firma benwirth licht gegründet, zusammen mit meiner Frau und unserem Elektroingenieur Kilian Hüttenhofer. Unsere erste Kollektion stellten wir auf der Light + Building 2006 vor. Wir starteten mit großem Enthusiasmus, vielleicht auch ein wenig blauäugig, da uns erst nach und nach bewusst wurde, welche Hürden zu überwinden sind. Als Architekt bin ich stets vom Produkt und vom designerischen Konzept ausgegangen und habe die Wichtigkeit von Marketing und PR zunächst unterschätzt. Wenn wir uns jedoch unsere kleine aber feine Kollektion ansehen, freuen wir uns über das, was wir geschafft haben.

CUBE: Sie haben hier in Ihrer Kreativwerkstatt auch ein sogenanntes Science Lab - was geschieht dort?
B. WIRTH: Das ganze Team, bis hin zum Praktikanten, entdeckt , entwickelt, probiert aus. Alles dreht sich um das Thema Licht, Raum und Material. Manches schafft es in die Kollektion, anderes wird „eingefroren“ oder eingestampft. Es ist ein bisschen wie in einem Labor, deswegen nennen wir es „Science Lab“.

CUBE: Womit hatten Sie Ihren ,Durchbruch‘?
B. WIRTH: Meinen ersten Designpreis habe ich 2007 für das Leuchtenpaar kukI und kuk0 erhalten, die fast nur aus dichroitischen Platten bestehen. 2009 gab es den ersten Schritt des Glühbirnenverbots. Aus dem Versuch, mir mithilfe einer Glühbirne ein eigenes Leuchtmittel zu bauen, entstand eine eigene Hängeleuchte, die „Incredible Bulb“. Ich habe eine Glühbirne zerlegt und eine Lichtquelle in den leeren Kolben gehalten, da tat sich plötzlich wie aus dem Nichts eine Lichtperle auf, eine Spiegelung . Mit „Incredible Bulb“ sind wir zum ersten Mal in die Aufmerksamkeit der Presse gerückt.

CUBE: Was war dann der nächste ,Coup‘ - ein Licht, das es nur aus Ihrer Werkstatt gibt?
B. WIRTH: 2010 stellte Osram ein neues Leuchtmittel vor, die Oled Orbeos. Zuvor hatten sie einige Designer nach Produktideen gefragt - so auch mich. Es entstand das modulare Lichtsystem „Cluster“, mit dem wir die zwei Leuchtmittel OLED und LED vereinen. Wir haben Cluster stetig weiterentwickelt, inzwischen ist es ein komplexes Lichtsystem mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Es basiert auf einer Platine, die wahlweise mit LED oder OLED bestückt werden kann. Die einzelnen Module lassen sich zu Feldern in verschiedenen Größen zusammensetzen.

CUBE: Damit konnten Sie sich auch in der Branche durchsetzen?
B. WIRTH: Das System hat einige Preise bekommen und eine große Presseresonanz. Es freut mich, dass die Weiterentwicklung, „Cluster 2.0“, jetzt für den German Design Award 2015 nominiert wurde, ebenso wie „Cluster Turnover“. Den beweglichen Einzelstrahler Cluster Turnover haben wir ergänzend zum modularen System entworfen. Er macht ein tolles Licht und ist vielfältig einsetzbar.

CUBE: Sie entwerfen ja nicht nur ,Leuchten‘ sondern machen auch Lichtkunst - Ihre frühen Arbeiten sehen aus wie Holografien...oder das Lichtobjekt 4D, das aussieht wie ein explodierendes Objekt.
B. WIRTH: Die Leuchten „kukI“ und „kuk0“ sowie das Einzelstück „4D“ sind durch Experimentieren mit Licht und dichroitisch beschichteten Acrylplatten entstanden. Dieses Material spaltet das Licht in sein Spektrum auf und wir sehen, je nach Blickwinkel, unterschiedliche Anteile der Lichtquelle. Da es Teile des Lichts auch spiegelt, entstehen faszinierende neue Ansichten und Räume. Besonders bei dem Einzelstück „4D“ tritt dieser Effekt eindrucksvoll hervor.

CUBE: Mich hat natürlich besonders Ihre Schmuckkreation begeistert - wie funktioniert sie?
B. WIRTH: Das Schmuckstück „MyOLED“ ist noch ein Prototyp in der Entwicklung. Ziel war, die OLED in einem neuen Kontext zu zeigen und Leuten nahezubringen. Entstanden ist ein leuchtendes Amulett für Sie und Ihn, das acht Stunden leuchtet und mit einem USB Kabel am Computer neu aufgeladen wird. Ob wir „MyOLED“ in Serie produzieren können, ist noch nicht entschieden.

CUBE: Wo geht die Reise hin? Welche zukünftigen Projekte sind in Planung?
B. WIRTH: Momentan arbeiten wir daran, die von uns auf der Light + Building 2014 vorgestellten Neuheiten fertig zu entwickeln. Was die Zukunft anbelangt, bin ich voller Ideen. Da sich der Licht- und Leuchtenmarkt im Umbruch befindet, stehen viele neue Wege offen. Mehr als je zuvor muss man bei der LED auf Qualität achten. Lichtqualität - das heißt Lichtfarbe, Binning und Entblendung - ist bei der Entwicklung unserer Leuchten ein ganz wichtiges Thema. Es freut mich sehr, dass wir mit der Weiterentwicklung von Cluster jetzt einige Projekte im öffentlichen Raum realisieren werden.

Wenn ich an die Zukunft denke, bin ich gespannt auf viele weitere Entdeckungen, die noch kommen werden. Es ist wirklich toll, mit Licht und Leuchten zu arbeiten, denn bei einer Leuchte gibt es immer den Moment des erstmaligen Einschaltens. Das ist fast so, als ob so ein Objekt lebendig wird.

Das Interview führte Christina Haberlik.



Ben Wirth

1965 geboren in München
1988 Schreinergesellenprüfung
1988-90 Studium Innenarchitektur (AdBK, München)
1997 Diplom Architektur (HdK, Berlin)
1998-2005 Freischaffend im Bereich Innenarchitektur / Möbelbau
2006 Gründung der Firma benwirth licht
2007 DesignPlus Preis für die Leuchten kuk0 und kukI
2009 Nominierung für den Designpreis der BRD
2011 DesignPlus Preis und Interior Innovation Award „Best of Best“ für das modulare Lichtsystem Cluster+
2011 Nominierung für den Designpreis der BRD
2013 Interior Innovation Award „Selection“ für die Leuchte D & D