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184 Jahre Später ...

Erhalt eines historischen Bauernhauses durch Kernsanierung

Gäbe es mehr solcher Bauherrinnen, sähen unsere Dörfer und Städte vermutlich anders aus. In... mehr

Gäbe es mehr solcher Bauherrinnen, sähen unsere Dörfer und Städte vermutlich anders aus. In Utting am Ammersee wagte die Architektin Ela Brühl, ein uraltes Bauernhaus aus dem Jahr 1835 so zu sanieren, dass zwar fast kein Stein auf dem anderen blieb, aber das Haus originalgetreu als veritables Schmuckstück in der Mitte des Dorfes wieder auferstanden ist. So konnte zudem ein altes Dorfensemble aus Kirche, Pfarrhaus, Streuobstgarten und den umstehenden alten Bauernhäusern erhalten werden. Ein Kamikaze-Akt möchte man meinen, wenn man die Liste der Arbeiten, die hier nötig waren, durchgeht: Zunächst waren umfängliche Recherchen im Staatsarchiv nötig, um dem Original möglichst nahe zu kommen. Für die komplette Kernsanierung, die nun bewältigt ist, gingen zwei Jahre ins Land. Und diskreterweise wird verschwiegen, welch ein Vermögen dieser Kraftakt verschlungen hat. Bis das Haus so aussah, wie es heute dasteht, waren – in sehr verkürzter Wiedergabe – nach und nach folgende Schritte erforderlich: Zunächst musste das baufällige Haus gesichert werden und der historische handgefertigte Dachstuhl – eine sehr seltene Rarität – wieder in seine Position gebracht und aufgerichtet werden. Historische Baumaterialen wurden gesichert und erhalten, darunter Originalziegel aus der Entstehungszeit. Danach wurde das Gelände abgegraben und die Grundmauern freigelegt, unterfangen und ein neues, tieferliegendes Fundament gesetzt, um eine größere Raumhöhe für das Erdgeschoss zu schaffen. Alte Gebäudeöffnungen wurden geschlossen, neue erschütterungsfrei aus der Fassade geschnitten. Dann erst folgte das komplette Entkernen des Hauses und das Sichern der Außenwände. Der historische Dachstuhl war zwar gut erhalten und hatte glücklicherweise keinen Ungezieferbefall, musste jedoch dennoch restauriert werden. Das 140 m² große Erdgeschoss wurde in drei Einheiten getrennt und an Praxen vermietet. Das Obergeschoss mit freigelegtem Dachstuhl betritt man über eine Treppe mit Terrasse auf der Rückseite im Westen – und gelangt dann in einen unerwartet großen, hohen Raum, der den Charme eines modernen städtischen Lofts hat. Die Ausstattung ist sehr geschmackvoll und zurückhaltend, aber stimmig bis ins kleinste Detail. Die Architektin ist im Doppelberuf auch als Innenarchitektin tätig. Der Kamin wurde aus den alten sogenannten Reichsziegeln gemauert. Alles bestimmend ist der beeindruckende Dachstuhl mit seinen handgeschlagenen Balken. Etwa über einem Drittel des Innenraumes ist eine Zwischendecke eingezogen. Auf der Wohnebene gibt es auch noch ein Gästezimmer mit eigener Dusche. Oben befinden sich das Schlafzimmer, das Bad und unter dem Dachgiebel dann, quasi als i-Tüpfelchen, ein Rückzugsraum, der eine nahezu meditative Ruhe ausstrahlt. Leider können wir hier die minutiös dokumentierte Kernsanierung aus Platzgründen nicht zeigen – erst wenn man diese Bilder gesehen hat, wird einem klar, welche Meisterleistung hier vollbracht wurde, die ein Lehrbeispiel und ein Vorbild für das Bauen im Bestand ist!

www.elabruehl.de


Fotos:

Julia Hildebrand & Ingolf Hatz
www.augustundjuli.de

(Erschienen in CUBE München 02|19)