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Wie aus einem Guss

Vom Güterbahnhof zum neuen grünen Quartier Tarpenbeker Ufer

Zwischen Groß Borstel und Eppendorf ist auf dem 118.000 m² großen Gelände des ehemaligen... mehr

Zwischen Groß Borstel und Eppendorf ist auf dem 118.000 m² großen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs das neue Wohnquartier „Tarpenbeker Ufer“ mit 940 Wohneinheiten entstanden. Das Gesamtgebiet verläuft entlang des Alsterzulaufs Tarpenbek und wird durch zwei Grünzonen in drei Bauabschnitte gegliedert. Das Areal besteht aus zehn Baufeldern, die eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnformen anbieten: öffentlich geförderten Wohnungsbau, frei finanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen. Es verfügt über eine neue Kita und integriert das bestehende Restaurant „Le Marrakech“, das auch marokkanische Wohnaccessoires anbietet. 2016 begannen die Bauarbeiten, 2018 wurden die ersten Wohnungen bezogen und Ende 2021 waren alle Gebäude fertiggestellt. Die hochbauliche Planung lag in den Händen dreier Architekturbüros (LRW Architekten und Stadtplaner, Goullon Architekten und Henke + Partner Architekten), die in enger Abstimmung untereinander, mit dem Bauherrn und der Stadtplanungsabteilung des Bezirks Nord arbeiteten und so eine Formgebung der Teilquartiere „wie aus einem Guss“ realisieren konnten.

Das Büro LRW Architekten und Stadtplaner arbeitete seit der Funktionsplanung mit den Freiraumplanern des Quartiers, SWUP, an der übergeordneten gestalterischen Gesamtkonzeption. So wurden von LRW Gestaltungsvorgaben (z. B. das Fassadenkonzept) formuliert und mit den anderen Architekturbüros weiterentwickelt. LRW zeichnet für die Baufelder 3, 6, 7 und 9 verantwortlich, die wir hier zeigen. Die einzelnen Baufelder sind geprägt durch ein straßenbegleitendes Gebäude sowie eine rückwärtige, ruhig gelegene, kleinteilige Hofbebauung zum Grün der Tarpenbek. Zur Erschließungsstraße entstand so – ähnlich einer Stadtmauer – ein geschlossener Baukörper, der durch großzügige Durchgänge in die begrünten Innenhöfe aufgebrochen wird. Als „grüne Mitte“ fungiert der öffentliche Quartierspark. Die dicht gestellten, straßenbegleitenden Baukörper mit vier Geschossen plus Staffel bilden als zweite Ebene hinter dem begrünten Lärmschutzwall einen zusätzlichen baulichen Lärmschutz zur südlichen Güterbahntrasse. Die nördlich anschließende Hofbebauung aus kleinteiligen Solitären ist ein Geschoss niedriger und gruppiert sich jeweils mit mehreren Häusern um ruhige grüne Innenhöfe. Durch diese städtebauliche Setzung bieten sich aus den Zwischenräumen vielfältige Blickbeziehungen zum Grünzug der Tarpenbek. Die Adressbildung der einzelnen Baufelder erfolgt über die zweigeschossigen Tordurchgänge aus dem Hofinneren. Der ruhende Verkehr wird in Tiefgaragen unter jedem Baufeld organisiert. Das übergeordnete Fassadenkonzept gewährleistet – trotz unterschiedlicher Interpretationen je Baufeld – eine stimmige Gesamtgestaltung für das neue Quartier. Hierzu zählt neben einer abgestimmten Materialwelt eine horizontale Gliederung aller Gebäude sowie eine zweigeschossig akzentuierte Mittelzone in den Obergeschossen. Freisitze sind zur urbanen Seite der Straße als Halbloggien, zum Hofinnern als Balkone ausgebildet.

Für die gesamte Anlage wurde eine grau-beige Klinkerfarbwelt gewählt, die das Tarpenbeker Ufer als eigenständiges Quartier definiert. Die straßenbegleitenden Baukörper als Gesicht des Quartiers zum öffentlichen Raum werden hierbei umlaufend in Klinker ausgeführt. Die Hofbebauung erhält helle Putzfassaden mit spielerisch gesetzten Steinintarsien. Die helle Farbgebung harmoniert mit dem allseitig prägenden, grünen Landschaftsraum der Umgebung. Die übergeordnete und verbindende Freiraumplanung aller Innenhöfe durch die Landschaftsarchitekten von SWUP stellt einen identitätsstiftender Baustein in der Gestaltung des Quartiers dar.

www.lrw-architekten.de

Fotos:

Ulrich Hoppe

(Erschienen in CUBE Hamburg 04|22)