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Zwei Flügel – ein Rundgang

Der Architekt Joachim Sieber im Interview zum Umbau des Düsseldorfer Kunstpalastes

CUBE: Als Ihr Büro vor vier Jahren den Zuschlag für die Sanierung des Sammlungstraktes des... mehr
CUBE: Als Ihr Büro vor vier Jahren den Zuschlag für die Sanierung des Sammlungstraktes des Kunstpalastes bekommen hat, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Joachim Sieber: Für einen Architekten ist das schon eine sehr schöne Sache, wenn er in der eigenen Stadt so ein bedeutendes Gebäude in die Hand nehmen kann und dafür sorgt, dass das, was so lange außer Betrieb und in einem wirklich schlechten Zustand war, endlich wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann. Insofern war das natürlich super – ein ganz tolles Gefühl!

Gleichzeitig muss erwähnt werden, dass Sie ein relativ kleines, aber feines Büro führen. Dieses Projekt war aber eher ein kleiner Mammut – mit seinen langgestreckten Flügeln wirkt es schließlich schon ein wenig wie der Louvre der Landeshauptstadt. Wie haben Sie sich dafür empfohlen?

Zum einen natürlich durch unsere Erfahrungen im Museumsbau – das ist ja nicht das erste Museum, das wir bauen. Schon während meiner Zeit im Büro Ungers wurde ich mit der Galerie der Gegenwart in Hamburg als Projektleiter betraut. Ein weiterer großer Auftrag war dann das Hubertus-Wald-Forum in Hamburg. Und dann haben wir hier in Düsseldorf die Sammlung Philara umgesetzt. Wir wissen schon, wie Museen funktionieren und wir wissen auch: Es kommt bei Museen gar nicht so sehr auf die Größe des Büros an, sondern es geht vor allem um Expertise. Deswegen waren wir auch zuversichtlich, dass wir den Auftrag bekommen können und so ist es dann ja auch geschehen.

Nun mal ganz konkret – was gab es denn beim Kunstpalast eigentlich alles zu tun?

Wir wollten den Rundgang und die Sammlung in eine präsentable Form bringen. Das war etwas disparat hier. Nicht zuletzt deswegen, weil fast 50 Prozent der Ausstellungsfläche bekanntermaßen seit mittlerweile 20 Jahren nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich war. Das Ziel war, dass das Museum wieder als ein Haus wahrgenommen wird. Es sollte nicht mehr wie früher einen Ausstellungsflügel und einen Sammlungsflügel geben, die jeder für sich fast ein Eigenleben führten und die auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung scheinbar gar nicht zusammengehörten. Und dann war da natürlich die Frage nach einem zeitgenössischen Museum – was braucht das, um zu funktionieren? Dazu gehören eben nicht nur Lagerräume und eine gute technische Ausstattung, sondern auch die Museumspädagogik und die Gastronomie, die beide einen ganz großen Stellenwert hier im Haus bekommen haben. Wir wollen den Bürgern:innnen ein Angebot machen, die Kunst als Teil ihres Lebens wahrnehmen und erleben zu können. In der Vergangenheit war insbesondere ein Aspekt beim gastronomischen Angebot schwierig: Die Gastronomie war nicht unabhängig vom Museumsbetrieb besuchbar.

Und wo genau haben Sie nun die Gastronomie in dem Ensemble platziert?

Die Gastronomie befindet sich jetzt im Zentrum des Ensembles, im Erdgeschoss des Belvedere. Ursprünglich war es so, dass dieses Haus tatsächlich aus zwei Teilen bestand, die nur im ersten Obergeschoss miteinander verbunden waren. Aber bereits der Architekt Helmut Hentrich hat in den 1980er-Jahren den ursprünglich im freien liegenden Verbindungsgang mit einer Fassade geschlossen und hinter die hohe Attika der Flügelbauten ein zweites Obergeschoss errichtet.

Und das eigentliche Restaurant kommt nun ins Erdgeschoss dieses Bauteils und nutzt dann auch die Außenbereiche des Ehrenhofes?

Genau, die Gastronomie wird sich künftig in zentraler Lage befinden, mit einer Terasse, die nach Süden direkt zum Brunnen orientiert sein wird. Und sie bekommt auch einen Zugang von der Außenseite zum Rheinufer.

Wie betreten Besucher:innen das Museum zukünftig und wie erleben diese die Sammlung?

Üblicherweise kommen die Besucher:innen mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Sie betreten den Ehrenhof und finden dann auf der rechten Seite den Haupteingang des Museums. In Zukunft wird der Sammlungsrundgang dann von diesem gemeinsamen Foyer aus im ersten Obergeschoss beginnen. Er wird durch das ganze Gebäude erst im ersten Obergeschoss und dann im zweiten Obergeschoss wieder zurückgehen, sodass es keinen Bereich gibt, den Besucher:innen zweimal betreten.

Hören Sie das gesamte Interview, das als Auszug abgedruckt ist, hier als Podcast.

Joachim Sieber

Geb. 1962 in Konstanz. Nach dem Studium der Architektur in Düsseldorf Mitarbeit in den Architekturbüros von Haus-Rucker-Co, Paul Schneider-Esleben und Oswald Mathias Ungers – bei letzterem Projektleiter u. a. für den Neubau der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle und das Terminal Mitte der Messe Frankfurt. 1996 Eröffnung des Architekturbüros Sieber Architekten in Düsseldorf, zusammen mit Anja Sieber-Albers. Verschiedene Lehraufträge und Auszeichnungen, u. a. 2018 Architekturpreis NRW 2018. Wichtigste Bauten der letzten Zeit: Sammlung Philara (2017) und Musikbunker (2015), beide ebenfalls in Düsseldorf.

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|23)