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Ihr Kinder kommet

Die Christus-König-Kirche in Oberkassel wurde zur Kindertagesstätte umgenutzt

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Nicht wenige Kirchenbauten gehen heute – auch in Düsseldorf – einer ungewissen Zukunft entgegen. Wenn das Gemeindeleben erstirbt und der Unterhalt der Gebäude zu kostspielig wird, steht oft auch die Frage der Umnutzung zur Debatte. Das bauliche Ergebnis kann mitunter sehr schrill ausfallen – nicht wenige dieser Umwandlungen vernachlässigen, dass das Gebäude und der Raum immer noch eine hohe Symbolkraft und urbanen Identitätswert auch jenseits der Profanierung besitzen. Diesen fortdauernden baukulturellen Wert mit den Notwendigkeiten einer neuen Nutzung nachhaltig zu verbinden, erfordert vom Architekten und auch Bauherrn besonderes Fingerspitzengefühl. In dieser Geisteshaltung näherten sich auch die Architekten des Düsseldorfer Büros pinkarchitektur der Christus-König-Kirche in Oberkassel, die zu einer sechszügigen katholischen Kindertagesstätte mit Familienzentrum umgebaut wurde.

Der Kirchenbau nahe der Hansaallee mutet von außen wie eine lang gestreckte klassische Basilika an, in seiner puristischen, ziegelornamentierten Geometrie und der inneren stützen­losen Stahlbetonkonstruktion schlägt er aber deutlich modernere Töne an. Errichtet wurde er 1929/30 nach Entwürfen des Düsseldorfer Kirchenbau-Architekten und Denkmalpflegers Franz Schneider – Vater des späteren Mannesmann-Hochhaus-Architekten Paul Schneider-Esleben und Großvater von Florian Schneider, Mitbegründer der Elektronik-Gruppe Kraftwerk. Die Umnutzung greift die sakrale Monumentalität des 2010 profanierten Baus auf und verbindet sie behutsam mit der neuen Nutzung. Zwei Ebenen werden in den vormaligen Kirchenraum neu eingezogen, ohne dass die Fassade zur Straße und dem kleinen Vorplatz hin Veränderungen erfahren hätten. Der Rhythmus zwischen geschlossenen Wandflächen und senkrechten Fensterbändern blieb erhalten. Auf der gegenüberliegenden Südwestseite zum Garten wurde der stützenlose Innenraum dagegen geöffnet: Die alten seitlichen Anbauten aus den 1960er Jahren ersetzte man durch einen quaderförmigen, zwischen die Giebelwände geschobenen Anbau, der auf der Fortsetzung des bestehenden Klinkersockels aufliegt. Ausdrucksvoll sind die teils abstrakt, teils figurativ ausgemalten Buntglasfenster des Bestands, die in die neue Fassade an gleicher Stelle wieder integriert wurden. Der Neubau ermöglicht zudem einen direkten Zugang zum Garten und schafft zugleich eine großzügige Freiterrasse.

Sechs Familiengruppen-Räume für Kinder ab vier Monaten bestimmen das Raumprogramm – auch Einrichtungen für Kinder mit körperlichen Behinderungen sind vorgesehen. In einer professionell ausgestattene Küche wird täglich frisch gekocht. Die im untersten Gartengeschoss gelegenen ehemaligen Gemeinderäume dienen als großer Mehrzweckraum mit Gartenzugang und beherbergen zugleich das Familienzentrum. Alle Räume dieser Etage können auch für Familienfeste und Aktivitäten genutzt werden. Sowohl die historischen Glasfenster mit ihren expressionistisch gestalteten Motiven als auch der Triumphbogen am Chorhaus, die früheren Altarnischen wie auch das erhaltene geschwungene Treppenhaus garantieren ein einzigartiges Raumerlebnis. Auf oberster Etage wurden zudem die Farbflächen-Ausmalungen der Decken erhalten, was den besonderen schöpferischen Charakter der Räume unterstreicht. „Lasset die Kinder zu mir kommen“ lautet die Inschrift eines der Glasfenster – in der neuen, im letzten Jahr eingeweihten Christus-König-Kindertagesstätte hat das nichts von seiner ursprünglichen Bedeutung eingebüßt.

www.pinkarchitektur.de
Architekten: pinkarchitektur www.pinkarchitektur.de Fotos: Max Hampel... mehr

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Fotos:

Max Hampel
www.maxhampel.de