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Wissenschaft im Park

Sensibel erweitert, sorgfältig rekonstruiert: Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Berlin

Wer die Physikalische Technische Bundesanstalt (PTB) in Berlin betritt, begibt sich auf eine... mehr
Wer die Physikalische Technische Bundesanstalt (PTB) in Berlin betritt, begibt sich auf eine Reise in die Wissenschaftsgeschichte. Im Mittelpunkt des Geländes an der Charlottenburger Abbestraße befindet sich mit dem 1887-91 erbauten, gelb verklinkerten Observatorium das weltweit älteste als Physiklabor errichtete Gebäude.

In dem umgebenden Park machte Albert Einstein einst seinen einzigen nicht theoretischen Versuch. In einem Keller neben dem Observatorium wurde 1936 der sog. Quarzuhrkeller eingerichtet – die hier betriebene Uhr gab die exakte Zeit für das gesamte deutsche Reich vor; ihr heute im PTB-Hauptsitz in Braunschweig befindliches Nachfolgemodell gibt bis heute die genaue mitteleuropäische Zeit an. Daher führt der Name Observatorium etwas in die Irre – von dem stattlichen Gebäude auf quadratischem Grundriss wird nicht etwa das Weltall beobachtet, vielmehr geht es um die Kontrolle von Maßeinheiten, Eichungen sowie die metrologische Forschung. Nach einem WTO-offenen Wettbewerb erhielten huber staudt architekten den Auftrag, den dreigeschossigen Altbau denkmalgerecht zu sanieren und das Gebäude um ein Forschungslabor für den Magnetresonanztomographen (MRT) zu erweitern. Um die Forschung und Bedienung auf der Ebene des Tomographen durchführen zu können und weil die Architekten die bestehenden Sichtachsen zwischen Observatorium und gegenüberliegendem Siemensbau nicht durch einen Anbau verstellen wollten, wurde das Labor unterirdisch neben dem Altbau geplant – direkt angebunden an den ehemaligen Quarzuhrkeller, den Standort des MRT. Damit die Arbeitsplätze der Physiker und der Besucherbereich Tageslicht erhalten, entschieden sich die Planer, „das Labor in den Park aufzuklappen“, wie es die Architekten formulieren. Fast sieht es aus, als habe sich das Gebäude mit seinem rasenbewachsenen Dach aus der Erde herausgeschoben.

Alle Büroräume des Labors und der Empfangsbereich erhalten so Licht durch ein umlaufendes Lichtband, das oben zur Fassade wird. Die Decke des Labors faltet sich für den Eingangsbereich weiter empor, das obere Ende des begrünten Betonbandes beschirmt den ebenerdigen Eingang zum Labor. Hier betreten Gastwissenschaftler und für Forschungszwecke engagierte Probanden das Labor. Terrazzo und sorgfältig verarbeiteter Sichtbeton bestimmen das Bild. Der Raum zwischen Decke und Sockelzone ist vollständig verglast. Die Decke des 175 qm² großen Laborbereichs wird von filigranen, quer zum Raum gestellten und mit poliertem Edelstahl verkleideten Stützen getragen. Durch die schlanken, spiegelnden Stützen blockiert nichts das räumliche Kontinuum zwischen Innenraum und Park.

Die denkmalgerechte Erneuerung des 120 Jahre alten Observatoriums mit seinen 1.580 m² Nutzfläche war für huber staudt architekten von Recherchen und akribischer Rekonstruktion bestimmt. Der ursprüngliche Charme des Gebäudes sollte wieder aufleben, ohne die Spuren der Zerstörung zu verschleiern. Die Kriegsschäden am Gebäude waren erheblich, doch ebenso gravierend griff ein Umbau in den 1960er Jahren ein, der mit der Geschichte „aufräumen“ wollte. Säulen und Zierkapitelle der Fassade wurden abgeschlagen, die schmiedeeisernen Geländer herausgebrochen und so fort. Bei der ersten Begehung fanden die Architekten im Treppenhaus dick lackierte hölzerne Handläufe mit innenliegenden, brummenden Neonröhren vor. Die Form des Treppengeländers konnte anhand weniger historischer Fotografien rekonstruiert werden. Die Dachsilhouette wurde wiederhergestellt, die verlorene Sandsteinornamentik leicht vereinfacht in gefärbtem Beton nachgegossen, die einst schmiedeeiserne Zierbrüstung des Dachs mit floralen Ornamenten ließ man aus Stahlplatten herauslasern. Im Inneren war das Ziel, die wenigen bauzeitlichen Materialien wie Terrazzoböden und Sandsteinpfeiler wieder zur Wirkung zu bringen. Alle Änderungen an der Kubatur, wie Aufzug und Besprechungsraum im Dach setzen sich in ihrer Materialität (Sichtbeton, Stahl und Glas) vom historischen Bestand ab und nehmen Bezug auf den angrenzenden Erweiterungsbau.

www.huberstaudtarchitekten.de



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Architekten

Huber Staudt Architekten
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Fotos

Juny Brullet
www.junybrullet.carbonmade.com
Werner Huthmacher
www.huthmacher-data.de