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Willkommen im Maximalismus

Auf dem diesjährigen Mailänder Salone del Mobile zeigte sich das Design opulent und glamourös

Mit dem Stand-Motto „Kontamination“ brachte der für seine Plastikmöbel bekannte Hersteller... mehr

Mit dem Stand-Motto „Kontamination“ brachte der für seine Plastikmöbel bekannte Hersteller Kartell die aktuelle Entwicklung des Designs auf dem Punkt. Heute mischt sich alles mit allem: alt und neu, Exotik und Regionales, Handwerk und Higtech, Luxus und Trash, Arbeit und Privates. Kartell fertigt deshalb schon lange nicht mehr nur Möbel an, sondern auch Tischware, Accessoires, selbst Mode und Parfüm.

Trotz der insgesamt immer unübersichtlicher werdenden Situation konnte man dieses Jahr auf der Messe einen Fokus ausmachen. Auffällig viele Hersteller beschäftigten sich mit dem Sofa. Das Sofa ist heute aber nicht mehr nur ein privates Möbel. Man findet es im Büro, ebenso im Outdoorbereich oder in der Hotel-Lounge. Der Designhersteller Vitra zeigte das neue, aufwendige Polstermöbelsystem „Grand Sofa“, entwickelt von Antonio Critterio. Vitra möchte sich mit diesem Entwurf zukünftig noch stärker auch als Spezialist für Postermöbel positionieren und damit zu Marken wie Cor, de Sede oder Lignet Rosset aufschließen. Viel Tradition bei Polstermöbeln bringt auch Artifort aus den Niederlanden mit. Mit dem Lougnesessel „Pala“ von Luca Nichetto möchte der Hersteller sich wieder mehr in zeitgenössischen Design verankern. Selbst Konstantin Grcic, der als Designer nicht im Ruf steht, sich allzu sehr für Gemütlichkeit zu interessieren, beschäftigt sich derzeit mit dem Thema Sofa. Bei seinem System „Soft Props“ für Cassina arbeitet er mit einem Gestell aus schwarzen Stahlrohren. Man kann das als Referenz an die bei Cassina gefertigten Klassiker sehen. Grcic setzt außerdem seine Arbeit mit dem Material Gußeisen fort und fügt der Produktserie „Brut“ für Magis nun ebenfalls ein Sofa hinzu. Die schwere und harte Anmutung des Gußeisens ist ein radikaler Bruch mit der Softness herkömmlicher Polstermöbel. Bei Matiazzi zeigte Grcic die neue Stuhlreihe „Primo“ in ebenfalls sehr kantiger Anmutung.

Erlesene Handwerkskunst wie bei Matiazzi fand der Besucher auch am Stand von Hida, die erstmals auf der Messe vertreten waren. Der japanische Holzspezialist überraschte mit nur wenig bekannten Arbeiten des italienischen Maestris Enzo Mari und Stühlen der Schweizer Designgruppe Atelier Oï. Premiere in den Messehallen im Stadtteil Rho feierte auch das britische Kultlabel Established & Sons. Das Unternehmen war in den letzten Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Nun gibt es einen neuen Besitzer. Der Designer Sebastian Wrong, Mitbegründer des Labels, ist zurück an Bord als Kreativdirektor. Der für seine Klassiker von Eero Saarinen oder Mies van der Rohe bekannte Hersteller Knoll setzt seine Arbeit mit Piero Lissoni fort. Neben einem eleganten Sofa präsentierte Knoll neue Tische von Lissoni. Die Tische mit ihrer üppigen Textur in Holz oder Marmor zeigen, welche Entwicklung das Design derzeit nimmt. An die Stelle des Minimalismus tritt ein Maximalismus. Die Materialien werden glamouröser, die Formen exzentrischer. Bezugstoffe aus Samt, laute Farben, ebenso Gold, Schwarz und Silber sind in Mode. Sehr schön in Szene gesetzt war dieser Trend am Stand des Herstellers miniforms aus Venedig. Aktuelle Projekte von Tom Dixon in London werden gerne als Beispiele für die neue Opulenz im Design angeführt. In Mailand beschäftigte sich auch Dixon mit dem Thema Sofa. In Kooperation mit dem Möbelgiganten Ikea zeigte der Engländer Prototypen für das Sofasystems „Delaktig“. Das Möbel hat ein Gestell aus leichtem Aluminium. Es ist zerlegbar und läßt sich untypisch für ein Polstermöbel flach verpacken. Man kann so das Sofa gut versenden und beim Umzug immer wieder neu konfigurieren. Die Arbeit Dixons macht deutlich, dass es heute im Design nicht um die schöne Form geht. Designer suchen nach Lösungen für veränderte Lebensgewohnheiten, sie entwickeln ebenso Konzepte für Verkauf, Logistik und Vertrieb.