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Pures Bauen

Wohn- und Geschäftshaus in Mitte setzt die elementaren Prinzipien des Rohbaus in Szene

Pures Bauen
Lageplan
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Ansicht Süd Ost
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Ansicht Süd West
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Längsschnitt
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Querschnitt
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Grundriss EG
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Grundriss 2. OG
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Grundriss 6. OG
Das siebengeschossige Gebäude mit elf Wohnungen und einem Ladenlokal stellte das Büro... mehr

Das siebengeschossige Gebäude mit elf Wohnungen und einem Ladenlokal stellte das Büro Wietersheim Architekten städtebaulich vor eine spannende Herausforderung. Der 2018 fertiggestellte Bau befindet sich im nördlichen Teil der Chausseestraße, am Übergang von Mitte zum Wedding. In der Gegend sind in den letzten Jahren zahlreiche Neubauten entstanden. Vis-à-Vis befindet der übermächtige Bau des BND mit seinen Palmen aus Metall und der Fassade aus endlos gereihten, schmalen 14.000 Fenstern.

Die Architekten entwarfen ein Gebäude, das eher puristisch als extravagant auf seine Umgebung reagiert. Das Wohn- und Geschäftshaus ist nur 10,80 m breit und steht als Kopfbau am Bruch zwischen gründerzeitlicher Blockrandbebauung und zurückspringender Zeilenbebauung der Nachkriegszeit. Drei Seiten sind offen, wobei die südliche Seite aus baurechtlichen Gründen als Brandwand ausgebildet werden musste. Statt alle drei Seiten als einzelne Schaufassaden zu gestalten, nehmen die Architekten die Kompaktheit der Umgebung an und beschäftigen sich mit dem Baukörper als Ganzes. Der Entwurf legt die elementare Tragstruktur eines Hauses offen: Geschichtete Steinquader lasten auf Decken. Die Wandblöcke sind auf Abstand gestellt, sodass Öffnungen entstehen. Im Ergebnis erscheint der Entwurf fast wie eine Reduktion auf den Rohbau. Die Planer besinnen sich dabei auf einfache aber substanzielle tektonische Prinzipien und verzichten – wo immer möglich – auf Sekundäres und Appliziertes. Bei der Gestaltung der Fassade findet man deshalb weder Stürze oder Brüstungen, ebenso keine Bleche oder Rollläden.

Auch im Inneren des Gebäudes sind die baulichen Grundelemente nicht übertüncht, sondern werden genutzt, um dem Wohnen Struktur zu verleihen. Zum Beispiel lassen die Pfeiler seitlich der Fenster Rücksprünge entstehen, um dort Vorhänge zu montieren. Die Kubatur des Treppenkerns bildet sich plastisch in den Wohnungen ab und gliedert den Innenraum in Küche, Wohnen und Schlafzimmer. Nischen schaffen Platz für Holzeinbauten in Form von begehbaren Kleiderschränken oder Alkoven.

Das Haus ist monolithisch mit kerngedämmten Ziegeln gebaut. Bei der baulichen Ausführung wird das „Prinzip Rohbau“ fortgeführt und großen Wert auf eine leicht beherrschbare technische Umsetzung gelegt. So wurde auf eine aufwendige mechanische Lüftung verzichtet – die natürliche Zugluft erfolgt über schallgedämmte Fassadenlüfter. Auch findet sich bei dem Gebäude kein außenliegender Sonnenschutz.

www.wietersheim.com

Fotos:

Franz von Wietersheim