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Neue Standards

Mehrfamilienhaus der Gesobau zeigt trotz einer Baukostenobergrenze viel Mut modern zu bauen

Die Politik drängt seit einiger Zeit die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin dazu,... mehr

Die Politik drängt seit einiger Zeit die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin dazu, wieder verstärkt in den Neubau einzusteigen. Das viergeschossige Mehrfamilienhaus in Pankow der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau ist einer der ersten fertiggestellten Projekte. Entstanden sind 22 Wohneinheiten mit Wohnflächen zwischen 44 und 120 m², die im Erdgeschoss barrierefrei ausgeführt sind. Die Planungen starteten bereits 2014. Dem verantwortlichen Büro CKRS Architekten war ein strenger Kostenrahmen von 820 Euro netto/m² BGF vorgegeben. Die Gesobau hatte zu dieser Zeit noch keine Abteilung, die alleine für den Neubau zuständig ist. „Die Wohnungsbaugesellschaft war damals in der Findungsphase“, berichtet Architektin Susanne Sturm. „Deshalb hatten wir bei dem Projekt ungewöhnlich viele Freiheiten.“

Städtebaulich ist die Umgebung von klassischem Zeilenbau sowie Einfamilienhäusern gekennzeichnet. Das neu errichtete Mehrfamilienhaus bricht mit dem Standard der Zeile und ist nach vier Seiten hin ausgerichtet. Zu allen Himmelsrichtungen findet man Balkone. Die ebenerdigen Wohnungen haben eigene Terrassen, die die Innenräume mit der Umgebung verbinden. Sämtliche Fenster sind bodentief ausgeführt. Viel Unterstützung durch den Bauherrn erhielten die Architekten bei der Ausgestaltung der Wohnungen. Alle Grundrisse sind fließend mit offenen Koch- und Wohnbereichen gestaltet und nur durch Wandscheiben zoniert. Auf Türen konnte weitgehend verzichtet werden. Die Bauweise des Hauses ist massiv. Aufgrund der Konstruktion mit leichtem Porenbetonstein und einem zusätzlichen Dämmputz erreicht das Gebäude einen KfW 70-Standard und kann so auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichten. Die Eingangstüren sind aus Massivholz gefertigt und liegen wettergeschützt in einem Rücksprung, der ebenfalls komplett mit Holz ausgekleidet ist. Bei den Innenräumen kommen unverfälschte Materialien zum Einsatz. Die Treppenhäuser sind in Ortbeton sichtig belassen, in den Wohnungen findet sich geschliffener Estrich als Bodenbelag. Die Architekten setzen auf diese Weise nicht nur gestalterisch Akzente, sie sparen auch Kosten.

Für die Ausführung der Arbeiten beauftragten die Planer keinen Generalunternehmer, sondern vergaben die Gewerke einzeln. Das war mit einem Mehraufwand verbunden, drückte aber nochmals die Kosten. Bei dem Projekt konnten auf vielfache Weise Standards realisiert werden, die für den preisgebundenen Wohnungsbau ungewöhnlich sind. Es bleibt zu hoffen, dass trotz des heute noch stärker gewordenen Kostendrucks das Gebäude einige Denkanstöße und viel Inspiration für die Frage nach dem öffentlich geförderten Bauen liefert.

www.ckrs-architekten.de

Fotos:

Sebastian Johnke
www.sebastianjohnke.de
Thomas Bruns
www.thomasbruns.com