Kleines Haus, große Wirkung

Beispiel einer gelungenen Nachverdichtung auf einem städtischen Restgrundstück

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In einer dörflichen, kleinteiligen Struktur in halber Höhenlage oberhalb des Neckars liegt das kleine, gerade mal 9 m breite und 33 m lange Grundstück. Das nach Süden leicht abfallende Gelände wurde jahrzehntelang als Pkw-Stellplatz genutzt. Nun wollte sich ein junggebliebenes Paar im Ruhestand auf dem überraschenderweise als Bauland ausgewiesenen Restgrundstück einen langgehegten Traum vom eigenen kleinen und bescheidenen Häuschen verwirklichen. Allerdings räumen Banken Senioren nur selten einen Kredit ein und so musste das Bauherrenpaar seinen Wunsch nach einem neuen Zuhause, an dem es sich jeden Tag wie im Urlaub fühlt, mit sehr geringem Budget realisieren.

Finckh Architekten setzten die Anforderungen geschickt mit einem einfachen, schlanken und rechteckigen Baukörper um. Die abgeschrägte Giebelwand definiert den Eingangsbereich und bringt über ihre transluzente Fassade aus Polycarbonat viel natürliches Tageslicht von Osten in den Innenraum. Angelehnt an ländliche Stallbauten ist der Kubus komplett mit Wellzementplatten verkleidet. Zum Tal hin schwebt er über dem Gelände und überdacht die Terrasse sowie den Stellplatz für das Wohnmobil im Winter.

Die Konstruktion ist eine Mischbauweise aus Stahlbeton und Holzrahmenbau. Eigenleistungen kombiniert mit dem Einsatz günstiger Serienprodukte und reduzierten Arbeitsschritten bei der Veredelung der Oberflächen ermöglichten es, den engen Kostenrahmen zu halten. Dazu gehören beispielsweise der roh belassene Beton und die eingelegten Heizungsrohre zur Bauteilaktivierung in die Stahlbetondecke. Der Beton wurde flügelgeglättet und farblos zum fertigen Fußboden imprägniert. Dieser „ehrlich veredelte“ Rohbau erzeugt Strukturen und eine besondere Haptik, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Auch der Grundriss verzichtet auf Dinge, die man nicht unbedingt braucht, wie Flure und Restflächen. Stattdessen schufen die Architekten einen schmalen, fließenden und offenen Raum, der Weite und ein Gefühl von Freiheit vermittelt.
 
So schafft ein kleines Haus auf einem Restgrundstück zusätzlichen Wohnraum durch Nachverdichtung und ist ein Positivbeispiel für Städte, in denen Wohnraum knapp ist. Wenn es wie in diesem Fall den beiden Bewohnern auch noch viel Freude und Lebenslust beschert, ist viel gewonnen.

www.finckharchitekten.de

Fotos:

thomas sixt finckh

(Erschienen in CUBE Stuttgart 02|21)

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