Der blaue Faden verbindet

Die neugestaltete Emscher-Promenade ist ein wichtiger Teil der blau-grünen Infrastruktur

Auch wenn die Emscher, die einst als „Köttelbecke“ des Reviers galt, heute wieder ein sauberer Fluss ist, so ist der Emscherumbau noch lange nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Die ökologische Aufwertung ist in vollem Gang und schafft neue Möglichkeiten, Ufer und angrenzende Stadtlandschaften in zukunftsfähige und erlebbare Räume umzugestalten. Daran wirken auch DTP Landschaftsarchitekten aus Essen mit, die im Auftrag der Emschergenossenschaft die Emscher-Promenade von Castrop-Rauxel über Recklinghausen und Herne nach Herten gestalten.

Dabei verbindet die Promenade weit mehr als „nur“ die Städte, sie wirkt identitätsstiftend und macht die Emscher und ihre begleitenden Wege zu einem attraktiven Teil von Quartier, Stadt und Region. Als Rückgrat dient der alte Betriebsweg der Emschergenossenschaft, der heute ein gewässerbegleitender Rad- und Fußweg ist. Doch erst die Aufwertung der Uferbereiche und die Gestaltung von besonderen Orten machen ihn zu mehr: einem attraktiven und multifunktionalen Stadtraum. Auf der zirka 20 Kilometer langen Strecke entstanden 25 gestaltete Räume, die jeweils lokale Themen aufgreifen, räumliche Bezüge thematisieren oder die Verbindungen zu den Quartieren stärken. Neue Brücken und Unterquerungen sowie prägnante Stegbauten – darunter ein Ausstiegssteg und ein Steg über den Schellenbruchgraben, entworfen von Mandel Architekten und Ingenieure – laden dazu ein, den Raum auf eine bisher nicht dagewesene Weise zu entdecken und ermöglichen neue Anbindungen zum öffentlichen Nahverkehr. Die Emscher-Promenade wird so zum wichtigen Teil der blau-grünen Infrastruktur der Region. Sie lässt sich in drei Teilbereiche gliedern. Der erste Abschnitt zeigt eine typische Ruhrgebietslandschaft, eine Mischung aus Industrie, Gewerbe, Wohnen und Grün. Die Promenade reagiert mit den Orten auf dieses Umfeld, lenkt Sinne wie Hören und Sehen, macht Besonderes sichtbar und stellt Sinnzusammenhänge dar. Beispiele hierfür sind die Hellbachterrassen mit heimischen Bäumen und Bänken zum Verweilen sowie blau lackierte, trichterförmige Objekte – Lauschstationen –, die das Thema Wasser und seine Geräusche aufnehmen.Im zweiten Abschnitt dreht sich alles um die zukünftige landschaftlichen Attraktivität des Flusses und seiner Geschichte. Blaue Pferdeskulpturen, die Emscherbrücher Dickköppe, erinnern an die Wildpferde, die hier früher lebten. Der markante Emscher-Steg wiederum ragt vom Weg weit über die Uferböschung und erlaubt einen Blick auf eine künftige Aufweitung des Flusses als ökologischer Schwerpunkt. Der dritte Abschnitt stellt die Verbindung des Stadtraums zum Fluss in den Vordergrund. So entstand an den Herdicksfällen ein Wassererlebnisort. Spielerisch geht es entlang der blauen Wasserschlange zu, die sich weit über die Wiese erstreckt. Alle Treffpunkte, Spiel- und Lernorte folgen einem gemeinsamen Baukasten und bilden den „blauen Faden“ der Emscher-Promenade.

www.dtp-essen.de

Fotos:
Nikolai Benner
www.nikolaibenner.de

(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 03|25)

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