Housing First Düsseldorf

Obdachlose Menschen bekommen ohne Vorbedingungen ein neues Zuhause

CUBE: Inwieweit unterscheidet sich Housing First von anderen Ansätzen in der Wohnungslosenhilfe?
Alexandra Didszun: Housing First beendet Wohnungslosigkeit unmittelbar. Darin unterscheiden wir uns von anderen Konzepten, die eher Stufenmodelle sind und Menschen, die auf der Straße leben, erst einmal in Notschlafstellen unterbringen. Von da aus kommen sie dann in eine weitere Unterkunft, wo sie ein eigenes Zimmer bekommen. Im besten Fall gibt es später vielleicht eine sogenannte Trainingswohnung. Und erst am Ende dieses Modells, das quasi so aufgebaut ist, dass man sich hocharbeitet, steht dann die eigene Wohnung. Für viele ist das ein schwerer Weg. Ohne eine dauerhafte Wohnung landen viele wieder auf der Straße. Im Gegensatz dazu steht bei Housing First die Wohnung an erster Stelle. Danach gehen wir sozialarbeiterisch zusammen alle weiteren Probleme an. Bei vielen Menschen, die in ihrer Wohnung angekommen sind, setzt häufig eine Art Gedankenkarussell ein. Viele haben jahrzehntelang auf der Straße gelebt, mit anderen Personen zusammen im öffentlichen Raum. Und dann bekommen sie von heute auf morgen eine Wohnung und kommen nach einer Ewigkeit mal wieder richtig zur Ruhe. Da fängt man natürlich nochmal an, über vieles nachzudenken, viele Probleme kommen wieder hoch. Manchmal haben die Betroffenen aber auch selbst einen sehr, sehr hohen Anspruch an sich, von jetzt auf gleich ihr ganzes Leben zu ändern. Hier stehen wir dann auch zur Seite und helfen dabei, einen Schritt nach dem nächsten zu gehen.

Wie genau sieht dann der weitere Weg aus?
Die Sozialarbeiter:innen von Housing First stehen immer als Ansprechpartner:innen bereit. Das geht von der Aufarbeitung unterschiedlichster Erfahrungen und Traumata über konkrete Hilfe bei der Einrichtung der Wohnung bis hin zur Bewältigung von Suchterkrankungen. Wir bieten Schuldnerberatungen und andere Dinge an. Aber immer nur so weit, wie es die Betroffenen eben auch wollen. Und das heißt, unsere Hilfe hat keinen vorgegebenen Plan, keine Deadline. Sie richtet sich immer an den akuten, individuellen Bedarf der Person. Wir verstehen es auch total, wenn Menschen sagen, dass sie erst einmal in der Wohnung ankommen möchten und für eine gewisse Zeit ihre Ruhe haben wollen. Das ist überhaupt kein Problem.

Die Finanzierung läuft aktuell größtenteils über den Verkauf von Kunst.

Genau. Das Straßenmagazin fiftyfifty betreibt in Düsseldorf eine Kunstgalerie. Wir bekommen regelmäßig Kunstspenden von Top-Künstler:innen weltweit – darunter Imi Knoebel, Sabine Moritz, Thomas Ruff und Gerhard Richter. Die Kunstwerke verkaufen wir dann in der Galerie. Außerdem findet online unter www.fiftyfifty-galerie.de eine wöchentliche Kunstauktion statt. Von den Einnahmen kaufen wir dann Wohnungen in Düsseldorf. Aktuell haben wir 147 Wohnungen, die wir obdachlosen Menschen zur Verfügung stellen können. Wohnungen, die wir als Verein selbst gekauft haben – aber auch Wohnungen, die uns gestiftet wurden bzw. Wohnungen, die an uns vermietet werden. Unser Ziel ist es, dass es noch mehr werden. Damit wir die Wohnungslosigkeit in Düsseldorf weitgehend beenden können. Seit der Gründung des Vereins in 2021 haben wir rund 160 Personen dauerhaft in ein normales Leben zurückgeführt. Das motiviert uns, weiterzumachen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, ganz unabhängig, ob er realistisch ist oder nicht, was müsste sich ändern, damit Wohnungslosigkeit langfristig wirksam bekämpft werden kann?
Sehr viel. Zum einen brauchen wir ganz dringend bezahlbaren Wohnraum. In Großstädten wie Düsseldorf ist das ein riesiges Problem. Hier fehlen einfach Wohnungen, vor allem Sozialwohnungen. Wir müssen den Leerstand, den es ja auch in Düsseldorf gibt, aktiv nutzen. Wohnen muss bezahlbar sein. Das Jobcenter hier in Düsseldorf übernimmt an Kosten für die Unterkunft pro Person 546 Euro. Der Betrag umfasst dabei die Kaltmiete plus Nebenkosten. Höher dürfen die Kosten nicht sein. Und da wird es dann sehr schwierig, eine Wohnung in Düsseldorf zu finden. Meines Wissens liegt der Quadratmeterpreis hier bei etwa 18 Euro. Da kommt man mit 546 Euro nicht wirklich weit. Das ist auch der Grund, warum wir als Verein die Wohnungen bisher größtenteils selber kaufen. Was aber nicht unser Job sein sollte, weil es eigentlich genug Wohnungen gibt. Nur eben nicht genügend zu einem bezahlbaren Preis.

Alexandra Didszun, wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führte Daniela Endrulat, freie Redakteurin, für das CUBE Magazin.

Hören Sie das gesamte Interview, das hier als Auszug veröffentlicht ist, als Podcast.

 

Alexandra Didszun

Alexandra Didszun ist Projektleiterin des Vereins Housing First Düsseldorf e. V.. Der im Oktober 2021 gegründete und von der Stadt Düsseldorf geförderte Verein bringt Obdachlose dauerhaft in Wohnungen – dank Synergien aus Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialarbeit und privatem Engagement. Betroffene erhalten ohne Vorbedingungen eine Wohnung, der Verein steht ihnen zudem mit wohnbegleitender Hilfe zur Seite. Entwickelt wurde das Vereinskonzept in Zusammenarbeit mit der Inititiative „Runter von der Straße“, fiftyfifty, der Düsseldorfer Drogenhilfe sowie Prof. Dr. Anne van Rießen an der Hochschule Düsseldorf.

Nothing found.

Camouflage

Ein scheinbarer Massivbau entpuppt sich als ökologisch durchdachtes Holzhaus

Ein sicherer Ort zum Wohlfühlen

Nachhaltiger Kita-Neubau mit kindgerechten Sanitärräumen als integraler Bestandteil der Architektur 

Ein Ort zum Wohlfühlen

Die Umgestaltung eines Pausenhofs schützt eine alte Buche und schafft einen vielseitigen Freiraum

Nothing found.

28_1_15_700pixel

Vielschichtiger Monolith

Eine Friedhofskapelle in Monheim kreiert einen ausdrucksvollen Trauerraum

Sideboard_Kito_Eiche_Linoleum_2_15_700pixel

Möbel fürs Leben

Die productum Möbelmanufaktur entwirft Slow Furniture

Hochflexibel und innovativ

Das Zentrum für Digitalisierung erweitert den Campus Derendorf um KI-Zukunftstechnologien

Subtiles Fassadenspiel

Ein neues Büro- und Geschäftshaus am Joachim-Erwin-Platz ist transparent und plastisch zugleich

Sta-dtischesKlinikumMo-nchengladbach_PP1002_lg_19_700pixel

Schöner gesund werden

Erweiterung des Städtischen Klinikums stellt Wohlfühlgedanke in den Fokus

Aktiv und robust

Neues Wohnquartier an der Wuppertaler Nordbahntrasse nimmt Fahrt auf

elektrisierend, raumkontor

elektrisierend

Eine VIP-Loge im Borussia-Park verdichtet das Spiel in räumliche Energie

Piepersberg_Werksverkauf_15_700pixel

Neuer Ort für erhellende Ideen

Designentwicklung, Werkstatt und Showroom von Licht im Raum