Arbeiten unterm Tankstellendach
Identitätsstiftende Work Spaces mit Fokus auf Funktionalität und New-Work-Ansätze
In der ehemaligen Hoepfner Brauerei in Karlsruhe, der sogenannten „Burg“, entstand eine neue Arbeitswelt für einen führenden Anbieter im Bereich Connected Car Services und mobiles Bezahlen an der Zapfsäule. rmg • studio übernahm die komplette Gestaltung und Koordination des Transformationsprojekts in dem zwischen 1896 und 1899, im neugotischen Stil erbauten Gebäude, wobei der Umbau im laufenden Betrieb umgesetzt wurde. Der Entwurf adressiert das Leitthema „Arbeiten unterm Tankstellendach“ in allen Bereichen, ohne Kompromisse bei Funktionalität und New-Work-Ansätzen.
Auf einer erweiterten Fläche sollte eine identitätsstiftende Arbeitsumgebung geschaffen werden, die sich stark an der CI des Unternehmens Pace Mobility orientiert. Zuvor hatten die Räume neue Tragstrukturen aus Sichtbeton erhalten, während originale Mauerwerkswände weitgehend erhalten blieben und Kappendecken freigelegt worden waren. „Die Umnutzung des ‚Alten Malzwerks‘ und des ‚Alten Malzlagers‘ bot eine spannende Substanz ohne nennenswerte Stolpersteine für das Konzept“, so Architekt Raffaele Maier. Der Auftraggeber wünschte sich einen hohen Wiedererkennungseffekt, bereits beim Eintreten. Da der Fokus des Unternehmens auf der Digitalisierung des Tankstellenmarktes liegt, setzt das Leitthema hier an: ein urbaner, frischer, designorientierter Workspace, der zum Erleben einlädt – gemütlich, aber arbeitsbereit. Zentral war, den Bedarf für bis zu 40 Arbeitsplätze abzubilden: inklusive Break-Out-Zones, ausreichenden Besprechungsflächen sowie repräsentativen Empfangs- und Konferenzbereichen, außerdem Raum für kreative Workshops, Meetings und interne Coachings und ein „Marktplatz“, der auch gelegentlich laut sein darf, ergänzt durch einen ruhigeren Fokusbereich.
Der Gestaltungsansatz orientiert sich am Thema „Tankstelle“, insbesondere am „fliegenden Tankstellendach“. Dieses Element prägt alle Bereiche: Unter den rohen Sichtbetondecken spannen sich grafische Deckensegel in Blau und Weiß, den CI-Farben des Unternehmens, auf die Räume zonieren und die darunter liegenden Workstations strukturieren. Sandsteinwände, Kappendecken und das Industrieparkett blieben erhalten. Der Teppichboden im Bereich der „Alten Darre“ wurde durch einen Microbetonboden ersetzt, der den rohen Charakter eines Tankstellenbodens imitiert. In der neuen Arbeitswelt dominieren harmonische Pastelltöne in Beige- und Cubanit-Nuancen, ergänzt durch Blautöne aus der CI sowie Akzente in Gelb. Für eine akustische Wirkung sorgen zusammen mit Deckenmobiles und Tischwänden, Trennwände, die alle aus teilweise recyceltem PET-Filz bestehen. Besonderes Augenmerk galt einer ASR-konformen Arbeitsplatzbeleuchtung. Aus Flexibilitätsgründen fiel die Wahl auf Stehleuchten, die Parameter des Human Centric Lighting (HCL) erfüllen. Ein grafisches Wegeleitsystem, das das Thema „Automotive“ aufgreift, ergänzt das Gesamtkonzept.
Fotos:
Nikolay Kazakov
www.kazakov.de
(Erschienen in CUBE Inspire 01|26)