Leise an Lauter Stelle
Neubau eines Wohngebäudes inmitten der Münchner Altstadt
Inmitten der Münchner Altstadt entstand ein Neubau, der staunen macht: An diesem Standort, wo jeder Quadratmeter ein Vermögen kostet, steht an der Ecke zur Maximilianstraße – einer der Münchner Prachtstraßen – plötzlich ein Wohngebäude statt eines abgerissenen Gewerbebaus.
Dort, wo vornehmlich imposante Bankgebäude aus Glas und Stahl, Luxusläden oder Sternelokale dominieren, wurde dieses Bauvorhaben realisiert. Die Münchner Architekten Kandler und Mack entwarfen ein solides, unprätentiöses Haus – eine zurückhaltende, unaufdringliche Architektur, die sich dezent in den Stadtraum einfügt. Der Blockrand ist wieder geschlossen und man kommt hier dem innerstädtischen Ziel der Mischnutzung ein Stück näher. Quantitativ und qualitativ wurde Mehrwert geschaffen: Für den Neubau wird sowohl das frei werdende Grundstück genutzt als auch eine bestehende Lücke geschlossen. Auf fünf Geschossen zuzüglich Dachgeschoss und einer Fläche von 720 m² verteilen sich 12 Wohnungen von 35 bis 69 m². Auf eine Tiefgarage wurde verzichtet; stattdessen steht ein Car-Sharing-Parkplatz zur Verfügung. Die enorme Kostenersparnis floss in die Innenausstattung des Gebäudes, wodurch hochwertige Materialien zur Anwendung kamen. Dass die Planung und Ausführung dieses Bauvorhabens dem Architekturbüro Kandler und Mack übertragen wurden, ist nachvollziehbar: Die Architekten verfügen über umfassende Erfahrung im Umgang mit sensiblen Innenstadtlagen und Ensembleschutz. An diesem Standort in der Altstadt ist entscheidend: keine Experimente, keine Provokation, dafür eine klare, zurückhaltende Gestaltung.
Die äußere Erscheinung zeigt eine gleichmäßige Lochfassade zur Stollbergstraße hin, mit dunklen Fensterrahmen, einem warmen Braunton an der Verputzfläche und Balkonen auf der Rückseite. Auf dem leicht zurückspringenden Sockelgeschoss sitzen die übrigen Geschosse. Ein Höhensprung zwischen Straßenniveau und Innenhof ermöglicht einen Freibereich als Aufenthaltsfläche mit einem Kinderspielplatz. Das Dach ist aus schrägen Betonplatten als Sargdeckel ausgebildet. Konstruktiv wurde das Gebäude mit tragenden Außenwänden aus Mauerwerk ohne zusätzliche Wärmedämmung errichtet. Der Treppenkern sowie Decken und Wohnungstrennwände bestehen aus Stahlbeton. Die Bauzeit betrug trotz der teilweise herausfordernden Gegebenheiten vor Ort nur 18 Monate.
Fotos:
Patrick Wild
www.patrick-wild.de
(Erschienen in CUBE München 01|26)