Holzhaus am Obsthain
Ein Ensemble aus zwei Baukörpern im Dialog mit der Landschaft
Die Bauherren wünschten sich am Ortsrand von Trostberg ein neues Eigenheim, das die Bedürfnisse einer jungen Familie ebenso berücksichtigt wie ökologische und nachhaltige Aspekte. Auf der Suche nach einem geeigneten Architekten fielen der Familie die Holzhäuser des Unternehmens Lebensraum Holz auf. Und dessen Praxis mit externen Planern zusammenzuarbeiten, führte in diesem Fall zur Beauftragung des Architekten Hubert Steinsailer aus Bruckmühl. Bei seinem Entwurf handelt es sich um ein sehr modernes, ungewöhnliches Holzhaus, das bewusst darauf verzichtet, alpine Bauweisen zu kopieren. Entsprechend dem städtebaulichen Konzept sollte nur die Hälfte des großzügigen Grundstücks bebaut werden, während die andere Hälfte als ökologisch aufgewertete Ausgleichsfläche freigehalten werden sollte. Die baulichen Maßnahmen konzentrieren sich auf den nordöstlichen Teil des Grundstücks. Nähert man sich nun dem Neubau über die Anliegerstraße, empfängt auf dem südwestlichen Grundstückteil ein neu gepflanzter Hain aus 16 Obstbäumen. Diese Streuobstwiese bildet somit auch den grünen „Vorplatz“ des neuen Wohnhauses der jungen Familie. Dort stehen sich zwei solitäre Baukörper gegenüber und bilden in kurzem, spannungsreichem Abstand eine räumliche Abfolge von öffentlichem Ankommen bis zum privaten Wohnen. Auf dem Weg zum Eingang des Wohnhauses durchquert man die weitgehend offene Struktur des eingeschossigen Nebengebäudes. Hier passiert man zwei überdachte Stellplätze sowie einen Nebenraum für Fahrräder und Geräte. Das Haupthaus selbst präsentiert sich als Holzhaus mit einer Fassade aus vertikalen Lärchenbrettern. Der Dachüberstand des flach gehaltenen Satteldaches besteht aus einer schlank ausgeführten Dreischichtplatte ohne sichtbare Sparren – eine moderne Lösung für den Übergang von Fassade zu Dach. Ein Einschnitt in der Fassade im Erdgeschoss markiert den vollverglasten Wohnbereich. Die Kante dieses Einschnitts wird als gestalterisches Element weitergeführt und trennt die vertikale Fassadenschalung optisch. Fast im gesamten Erdgeschoss wechseln sich Holzelemente und vertikale Fenster ab. Für das Obergeschoss wählte man hingegen als Kontrast schmalere, waage rechte Fenster. Das nicht unterkellerte Wohnhaus mit 191 m² Wohnfläche wird von der wettergeschützten östlichen Giebelseite her erschlossen. Über einen kurzen Flur erreicht man vom kompakten Eingangsbereich mit Treppenraum und Duschbad die Wohnräume mit offener Küche. Ein separates Arbeitszimmer, das später auch als zusätzliches Schlafzimmer genutzt werden kann, liegt ebenfalls auf dieser Ebene. Die im Vorraum angesiedelte Treppe ermöglicht eine spätere Teilung der Geschosse in zwei Wohneinheiten. Das Obergeschoss besticht durch klare Erschließung und effiziente Aufteilung in vier Schlafräume, eine Ankleide sowie ein großzügiges Familienbad.
Fotos:
Michael Voit
www.michaelvoit.de
(Erschienen in CUBE München 02|26)