Wertewandel
Umbau eines Einfamilienhauses zum Wohnkomplex als Statement für die Bauwende
Bereits der Name „WerteWandel“, den Benita Braun-Feldweg und Matthias Muffert von bf-studio-architekten für ihr Projekt im Berliner Westend gewählt haben, formuliert neben der umfassenden Idee des Bauvorhabens auch ein architektonisches Statement zum künftigen Umgang mit Bestand, Ressourcen und Wohnraum. Kurz: zur dringend notwendigen Bauwende. Das Projekt kann als Prototyp gelten: Ein Einfamilienhaus aus den 1950er-Jahren auf einem großzügigen Grundstück mit 2.600 m² wurde nicht abgerissen, sondern zu einem Komplex mit mehreren Wohnungen umgebaut und erweitert. Darüber hinaus geht es dabei auch um die Entwicklung zukunftsweisender Wohnformen, womit, dem Leitgedanken „Ein Haus für Viele“ folgend, auch das flächensparende gemeinschaftliche Wohnen statt des Einzelwohnens gemeint ist.
Das alleinstehende Wohnhaus wurde aufgestockt und um weitere Mietwohneinheiten ergänzt, sodass insgesamt neun Wohnungen entstanden. Aufgrund der Topografie des Grundstücks, das sehr hügelig ist und einen Höhenunterschied von acht Metern aufweist, wurden die neuen Anbauten aufgeständert. So konnten gleichzeitig auch der Garten vor weiterer Versiegelung bewahrt sowie Landschaft und Versickerungsfläche erhalten werden. Teilweise wurden vorhandene betonierte Flächen auch wieder entsiegelt. Auch das Ursprungshaus wurde aufgestockt. Die Wohneinheiten des Neubaus wurden in ressourcenschonender Holzbauweise realisiert. Bei den neuen Gebäudebauteilen handelt es sich um modulare Holzelemente mit rezyklierbaren und leicht trennbaren Materialien. Es entstehen kompakte, effiziente, aber auch flexible Grundrisse – zum Teil bis zu Fünfzimmerwohnungen mit 115 m² Wohnfläche. Der längliche Neubau wird flächensparend durch Laubengänge erschlossen. Zwischen Bestandsbau und dem Neubau gibt es eine Fuge, auf der eine 60 Jahre alte, schützenswerte Buche als sozialer Treffpunkt erhalten werden konnte. Relikte aus dem Altbau wurden in dem Nutzgarten, der allen Bewohner:innen zur Verfügung steht, wiederverwendet, und selbst die alte Küchenzeile erhielt als „Pflanzküche“ eine neue Funktion.
Die neuen Wohnungen sind als Split-Level-Typologien konzipiert und durch offene Grundrisse kombinierbar für Wohnen und Arbeiten. Beheizt wird das Objekt über kaskadierend geschaltete Luft-Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaikanlagen. Dadurch erreicht die Anlage den KfW-Standard 40-EE. Zusammenfassend ist der Mehrwert dieses Projekts ein Wertewandel auf verschiedenen Ebenen: Weiterbauen statt Abriss, Gemeinschaft statt Privatheit, Holz statt Beton, Re-Use statt Wegwerfen, Mieten statt Besitz sowie flexible Lebensmodelle statt Monofunktionalität.
Fotos:
Werner Huthmacher
www.huthmacher-data.de
Espen Eichhöfer
www.espen-eichhoefer.de
Lina Selg
www.linaselg.com
(Erschienen in CUBE Berlin 02|26)