Alt und neu in Balance
Ein Stadthaus in Bilk wurde mit viel Fingerspitzengefühl saniert und erweitert
Ein Stadthaus aus den 1930er-Jahren in Bilk sollte für die Bedürfnisse einer fünfköpfigen Familie neu gedacht werden – nicht durch radikale Eingriffe, sondern durch eine präzise Weiterentwicklung des Bestands. Das Düsseldorfer Büro Anna Wollenberg Architektur plante eine Sanierung mit Erweiterung, die den Charakter des Hauses bewahrt und zugleich die heutigen Anforderungen an Alltag, Komfort und Nutzung sinnvoll integriert.
Der Baukörper wurde durch einen L-förmig zugeschnittenen Anbau ergänzt, der das Haus nicht nur funktional erweitert, sondern auch eine Neuordnung der Wohnsituation ermöglicht: So konnte im Erdgeschoss eine großzügige Küche als zentraler Ort des Familienlebens und Raum für Begegnung, Alltag und gemeinsames Wohnen entstehen. Im Obergeschoss wurde damit Platz für ein weiteres Kinderzimmer geschaffen, während er im Dachgeschoss in eine Terrasse übergeht und so einen geschützten Rückzugsort mit Bezug zum Außenraum bietet. Die architektonische Haltung des Entwurfs ist bewusst zurückhaltend: Der Anbau setzt weder auf Kopie noch auf demonstrativen Kontrast. Stattdessen formuliert er eine eigenständige, klare Ergänzung, die den Bestand respektiert und seine Qualitäten fortführt. Die geradlinige Formensprache und eine sorgfältig abgestimmte Materialwahl verleihen dem Ensemble Ruhe und Selbstverständlichkeit. Im Inneren bleibt das historische Holztreppenhaus als prägendes Element erhalten. Es verbindet die Geschosse nicht nur räumlich, sondern trägt auch die Geschichte des Hauses weiter. Bestehende Strukturen wurden dazu freigelegt, neu interpretiert und behutsam in ein zeitgemäßes Wohnkonzept überführt. Dadurch entsteht eine neue Ordnung, die den Alltag der Familie erleichtert, ohne die Identität des Hauses zu verlieren. Besondere Aufmerksamkeit galt bei der Umsetzung den Materialien: Nachhaltige, natürliche und langlebige Baustoffe prägen den Umbau ebenso wie den Neubau. Der ressourcenschonende Umgang wurde dabei nicht nur Grundlage für die Konstruktion, sondern mehr noch zum Gestaltungsprinzip: Weiterbauen bedeutet hier, Vorhandenes wertzuschätzen, Qualitäten sichtbar zu machen und mit gezielten Eingriffen ein neues Kapitel zu eröffnen. Am Ende zeigt das Projekt, wie sich ein Haus mit Geschichte sensibel transformieren lässt – durch Sanierung statt Austausch, durch Ergänzung statt Überformung und durch eine Architektur, die aus dem Bestand heraus mit einem feinen Gespür für das Wesentliche entwickelt wird.
Fotos:
Markus Luigs
(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|26)
