Facelift für zwei weiße Riesen

Revitalisierung eines Wohnkomplexes mit einer Keramikfassade

Im Süden Frankfurts, im dicht urbanisierten Stadtteil Sachsenhausen, prägt ein Wohnensemble seit Jahrzehnten die Skyline. Die beiden 20- und 22-geschossigen Türme mit rund 400 Wohneinheiten stehen exemplarisch für die Wohnhochhausarchitektur der Nachkriegsmoderne. Im Zuge einer umfassenden Revitalisierung nach Plänen von AS+P Albert Speer + Partner wurde der Komplex nun technisch, energetisch und architektonisch grundlegend neu aufgestellt. Herzstück der Sanierung von „The Saxxon“, so der Proojektname, ist die vollständige Erneuerung der Gebäudehülle mit einer individuell gefertigten Keramikfassade.

Das Sanierungskonzept folgt einem klaren Dreiklang aus energetischer Optimierung, technischer Modernisierung und gestalterischer Aufwertung. Neben neuen Eingangsbereichen und einem zusätzlichen Eingangsbauwerk stand insbesondere die marode Bestandsfassade im Fokus. Die ursprünglichen Zementfaserplatten waren teilweise asbesthaltig und mussten unter hohen Sicherheitsanforderungen fachgerecht zurückgebaut und entsorgt werden. Gleichzeitig stellte die komplex gegliederte Gebäudestruktur mit zahlreichen Rücksprüngen, Balkonbrüstungen und differenzierten Fensterachsen hohe Anforderungen an die neue Fassadenlösung. Die Entscheidung fiel auf eine vorgehängte hinterlüftete Keramikfassade. Insgesamt wurden mehr als 5.000 m² keramischer Fassadenelemente verbaut, die projektbezogen gefertigt wurden. Die weißen, matt glasierten Elemente verleihen den Türmen eine neue Leichtigkeit und reflektieren das Tageslicht differenziert. Ergänzt wird die Gestaltung durch keramische Lisenen, die große Fassadenflächen rhythmisieren und den Hochhäusern zusätzliche Tiefe und Plastizität verleihen. Neben der architektonischen Wirkung konnten durch das geringe Eigengewicht der einschaligen Keramikfassade von rund 35 Kilogramm pro Quadratmeter mehr als 50 Tonnen Fassadenlast gegenüber konventionellen, zweischaligen Lösungen eingespart werden – ein wichtiger Aspekt bei der Sanierung von Bestandsbauten mit begrenzten statischen Reserven. Gleichzeitig verbessert die hinterlüftete Konstruktion die energetische Performance, schützt die Tragstruktur dauerhaft vor Witterungseinflüssen und erhöht den Schall- sowie Wärmeschutz. Die neue Gebäudehülle ist überdies robuster und wartungsfreundlicher. Die keramischen Elemente sind nicht brennbar, witterungsbeständig und äußerst widerstandsfähig gegenüber Kratzern, Verschmutzungen, Vermoosung und Graffiti: Letzteres wird während des Sinterprozesses in die Oberfläche eingebrannt und benötigt keine zusätzliche Beschichtung. Mit der Revitalisierung erhält „The Saxxon“ nicht nur eine zeitgemäße energetische und technische Infrastruktur, sondern auch eine neue architektonische Identität. Die Sanierung zeigt beispielhaft, wie sich Wohnhochhäuser der Nachkriegszeit durch innovative Fassadentechnologien nachhaltig transformieren und langfristig in den urbanen Kontext integrieren lassen.

www.tonality.de

Fotos:
Magdalena Türtscher
buero-magma.at

(Erschienen in CUBE Frankfurt 02|26)

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