Neues Kapitel für ein Altes Haus
Umbau eines Typenhauses 65 Jahre nach seiner Erbauung
Ein schlichtes Wohnhaus, erbaut 1960, sollte zukunftsfähig ertüchtigt werden. Es liegt an der Schwendenerstraße im Stadtteil Dahlem ganz in der Nähe des Botanischen Gartens und der Freien Universität in einer Reihe von vier baugleichen, zweigeschossigen Einfamilienhäusern, gegenüber von stattlichen Villen, die vermutlich Bestandsbauten sind, die den Krieg überdauert haben. Das Haus Nr. 14 hingegen zählt zu jener Generation von Berliner Nachkriegs- und Wiederaufbauhäusern, die lange unscheinbar blieben. Errichtet aus Hohlblocksteinen mit Flachdach, stand es exemplarisch für die pragmatische Wohnarchitektur der Zeit: solide, funktional, aber ohne gestalterische Ambition. Der Auftrag für den Umbau ging an die Berliner Architektin Elke Duda. Er zeigt, wie viel architektonisches Potenzial in solchen Häusern steckt.
Die Architektin begegnet dem Bestand nicht mit einem radikalen Ansatz, sondern mit einer präzisen Weiterentwicklung. Die ehemals kleinteilige Struktur wurde entkernt und neu organisiert, sodass ein offener, großzügiger und lichtdurchfluteter Wohnbereich entstand. Der Baukörper wurde zum Garten hin um rund drei Meter verlängert. Die gartenseitige Fassade lässt sich durch ein Schiebeelement großzügig öffnen. Neue raumhohe Holzfenster auf allen vier Seiten schaffen einen Bezug zur Umgebung. Gleichzeitig bleibt die Grundfigur des Hauses erhalten – ein respektvoller Dialog zwischen Alt und Neu, der die Maßstäblichkeit des Bestands bewahrt. Podeste zonieren den Übergang zwischen Straße, Wohnraum und Garten, ohne harte Grenzen zu ziehen.
Auch energetisch markiert der Umbau einen deutlichen Schritt nach vorn: Die ungedämmte Gebäudehülle wurde ertüchtigt. Die energetische Sanierung umfasst eine Wärmepumpe, die eine alte Ölheizung ersetzt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und im Anbau sorgt eine Fußbodenheizung für effiziente Wärmeverteilung. So wird das Haus nicht nur räumlich, sondern auch technisch in die Gegenwart geführt.
Der Umbau zeigt beispielhaft, wie sensibel und zugleich selbstbewusst mit alltäglicher, in die Jahre gekommener Architektur umgegangen werden kann. Statt spektakulärer Gesten setzt Elke Duda auf präzise Proportionen, sorgfältige Details und eine klare Haltung zum Bestand. Das Ergebnis ist ein Haus, das seine Geschichte nicht verleugnet – aber ein neues Kapitel aufschlägt.
Fotos:
Büsra Yeltekin
Illing & Vossbeck
www.iv-fotografie.berlin
(Erschienen in CUBE Berlin 02|26)

