Zwischen heute und gestern
Behutsame Sanierung eines historischen Mühlenanwesens
Mitten in einer ländlichen Kulturlandschaft steht ein Mühlenanwesen aus dem späten 16. Jahrhundert. Die Vierseitanlage erlebte über Jahrhunderte hinweg immer wieder Umbauten, Erweiterungen und Brände. Jüngst erwarb eine Frankfurter Familie das Objekt mit dem Ziel, ein gemeinsames Zuhause für sich und Angehörige zu verwirklichen. Doch bevor aus dem Anwesen ein ländlicher Erholungsort werden konnte, stand zunächst eine behutsame, architektonisch sensible Sanierung auf dem Programm. Beauftragt wurde dafür das Unternehmen Weinzierl, das aus dem Projekt einen Ort schaffen sollte, an dem Geschichte spürbar bleibt und der zugleich modernen Komfort bietet, ohne sich in Technik zu verlieren.
Die beiden ersten Bauabschnitte umfassten den Umbau des ehemaligen Kuhstalls und die Sanierung der nördlichen Remise. Aufgrund früherer Umbauten in den 1980er-Jahren wiesen die bestehenden Gebäude kleinteilige Grundrisse und einen rudimentären Ausbauzustand auf. Besonders herausfordernd war die statische und bauphysikalische Situation der Natursteinwände aus schiefrigem Schichtgestein, die kein Austrocknen vertragen. Gelöst wurde dies mit einer mineralischen, feuchtigkeitsregulierenden Vorsatzschale – ein konstruktiver Eingriff, der die Substanz schützt, ohne den Charakter zu verändern. Zugleich wurde das Gelände auf der Ostseite wieder auf das ursprüngliche Niveau zurückgeführt, um den direkten Ausgang zur Frühstücksterrasse zu ermöglichen. Dabei erfolgte eine komplette Neuverlegung der Entwässerung samt Anschluss an die hauseigene Wurzelkläranlage. Auch energetisch wurde das Ensemble auf zeitgemäßen Stand gebracht: Drei alte Heizsysteme wichen einer zentralen Pelletheizung mit Pufferspeicher, kombiniert mit Solar- und PV-Anlagen. Den Strom liefert eine kleine Wasserturbine, gespeist aus dem eigenen Mühlenteich.
Die Leitidee des Entwurfs war ein Rückbau bis zur historischen Substanz, die Wiedererkennung des Alten und eine Erneuerung mit unverfälschten, ehrlichen Materialien. Zum Einsatz kamen Altholzbalken, handgespaltene Lärchenschindeln, mineralische Putze und atmungsaktive Farben. Der Innenausbau – insbesondere die Küche – entstand in enger Abstimmung mit den künftigen Nutzer:innen: eine maßgefertigte Schreinerarbeit aus alter Eiche, frei von Spanplatten oder Kunststoffen. Basierend auf den Wünschen der Bauherren wurde das Anwesen in die Zukunft geholt, ohne dabei die Vergangenheit aus den Augen zu verlieren.
Fotos:
Weinzierl
(Erschienen in CUBE Frankfurt 04|25)