Wohnen über der Stadt
Ein Neubau reagiert auf städtischen Kontext und schafft individuelle Wohnqualität
Wo zuvor ein baufälliges Gebäude stand, präsentiert sich nun ein ausdrucksstarkes Wohnensemble mit moderner Architektursprache. Das Büro Stolz Architektur setzten dabei ein zentrales Thema des aktuellen Wohnungsbaus konsequent um: Durch sensible und nachhaltige Nachverdichtung schufen sie im innerstädtischen Kontext neuen Wohnraum für mehrere Generationen.
Das Grundstück, das sich in Familienbesitz befindet, liegt an einer stark befahrenen Straße und war mit einem alten Kneipen- und Scheunengebäude bebaut. Die Bauherren, eine junge Familie, wollten im oberen Geschoss einen Wohnbereich für sich und eine kleine Einlieger-/Pendlerwohnung zur Vermietung realisieren. Im unteren Geschoss sollten ein großer Garagenbereich sowie Raum für Floristik entstehen. Die Gebäudestrukturen sollten den Herausforderungen der stark befahrenen Straße gerecht werden. Die Leitidee des Entwurfs war, im Ober- und Dachgeschoss, abgewandt von der Straße, einen großzügigen Wohnbereich zu entwickeln: in einem kompakten Baukörper mit klarer Kubatur, der sich in die Straßenzüge einfügt, sich jedoch in Materialität und Farbgebung deutlich abhebt und auffällt. Ursprünglich waren im Dachgeschoss großzügige Flachdachbereiche für mehr Raumhöhe angedacht. Strikte Vorgaben zu Dachform sowie zu Trauf- und Firsthöhen seitens der Stadt führten jedoch zu einem klassischen Satteldach. Dieses fügt sich in die Formensprache der Umgebung ein, respektiert die städtische Körnung und schafft zugleich ein modernes, eigenständiges Wohnbild. Da bereits beim Vorgängerbau Bereiche in Klinker ausgeführt waren, entschied man sich, dies bei der Fassade des Neubaus aufzugreifen. Einsatz fanden Klinkerriemchen in lebhaftem Farbwechselspiel. Der Neubau überzeugt auch durch seine energetische Performance: Die Grundrisse sind hell und gut belichtet. Strategisch positionierte Fenster, Dachflächenfenster und Öffnungen lenken Tageslicht gezielt in alle Wohneinheiten. Das Erdgeschoss wurde in Massivbauweise errichtet; ab dem Obergeschoss kam die Holzbauweise zum Einsatz, um die Bauzeit an der Straße zu reduzieren.
Schnell stand fest, dass Holz auch im Innenraum das Leitmaterial werden sollte: Die Brettschichtholzdecken wurden in Sichtqualität gewählt – geprägt von einer durchdachten, funktionalen Organisation und einer klaren Struktur. Räume mit großzügigen Aufenthaltszonen, ruhigen Rückzugsbereichen und fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen schaffen eine stimmige Gesamtkomposition.
Fotos:
Sebastian Stolz
(Erschienen in CUBE Stuttgart 01|26)
