Radikal reduziert
Neubau aus Holz für eine Familie konzentriert sich aufs Wesentliche
Im Mainzer Stadtgebiet entstand zwischen Nachkriegszeilen, frei stehenden Einzelbauten und Anklängen gründerzeitlicher Blockränder ein Neubau, der leise, aber selbstbewusst auftritt. Wo sich einst eine marode Doppelhaushälfte mit niedrigen Raumhöhen, geschädigter Konstruktion und hoher Schadstoffbelastung befand, plante das Büro Henning Grahn Architektur einen klar gezeichneten Holzbau. Auf das heterogene Umfeld reagierten die Architekten mit einer präzisen Setzung: Der kompakte Baukörper fügt sich als Doppelhaushälfte mit Satteldach in die Reihe frei stehender Nachbarhäuser ein. Geschossweise verspringende, flächenbündig eingesetzte Holzfenster zitieren Motive der Umgebung. Die Fassade aus vorvergrauter Lärche zeigt, was in ihr steckt: Sie verdeckt den hölzernen Kern des Hauses nicht, sondern macht die Holzbauweise auf den ersten Blick sichtbar. Auch die angepasste Bestandsgarage erhält dieselbe Hülle – gemeinsam bilden Haus und Nebengebäude ein kleines Ensemble, das zur Straße hin Ruhe ausstrahlt.
Der mittig positionierte Baukörper teilt das Grundstück in zwei unterschiedliche Außenräume: eine grüne Gartenseite mit Rasen und eine funktionale Erschließungs- und Wirtschaftshofseite, in der sich eine geschützte Terrasse verbirgt. Der anspruchsvolle, sich verjüngende Grundstückszuschnitt wurde zum Entwurfswerkzeug: Seine Schrägen schreiben sich in den Grundriss ein und formen eine räumliche Dramaturgie unterschiedlich geschnittener Räume – vom kompakteren Eingangsbereich hin zum offenen Wohnraum mit Blick in beide Gartenbereiche. Vielfältige Blickbeziehungen und Wege ermöglichen flexible Tagesabläufe – vom Frühstück in der Morgensonne bis zum geschützten Raum am Abend auf der Terrasse. Im Inneren zeigt sich, wie präzise das Architekturbüro auf die Wünsche der fünfköpfigen Familie reagierte. Gefordert war ein nachhaltiges Wohnhaus mit möglichst geringer Wohnfläche pro Kopf – ohne Verzicht auf Individualität. Trotz kompakter Kubatur entstanden vier eigenständige Rückzugsräume.
Bei der Bauweise konzentrierten sich die Architekten auf das Wesentliche: wenige, dafür aber reine Materialien, die nicht miteinander verklebt sind und sich problemlos wiederverwerten lassen. Das Erdgeschoss nutzt die gedämmte Betonplatte direkt als fertigen Fußboden – das ist robust und spart zusätzliche Schichten. Die oberen Stockwerke wurden in Holzbauweise errichtet, wobei die Bauteile bereits im Werk vorgefertigt wurden. Sogar der Teppich liegt dort direkt auf den Holzelementen. Das gesamte Gebäude verzichtet konsequent auf unnötig komplizierte Zwischenschichten. Und hinter der naturbelassenen Wand aus Fichtenholz verbirgt sich eine moderne Heizung. So strahlt das Holz eine behagliche Wärme aus, die man im Raum unmittelbar spüren kann.
Fotos:
David Schreyer
www.schreyerdavid.com
(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)











