Mit Augenmaß ersetzt
Drei benachbarte Gebäude bilden eine charmante Wohnoase mitten in Bonn-Bad Godesberg
Die Bauherren stießen eher zufällig auf das rheinnahe Grundstück im historischen Kern von Rüngsdorf, einem beliebten Stadtteil mitten in Bonn-Bad Godesberg und erkannten sofort seine verborgenen Potenziale. Das Grundstück war zu diesem Zeitpunkt noch mit einem nicht sanierungsfähigen Altbau bebaut. Ein zum Verkauf stehendes benachbartes Gründerzeithaus sowie eine Remise im gemeinsamen Innenhof mit Garten wurde zusätzlich erworben und der Bonner Architekt Paul Martini mit Neubau und Sanierung beauftragt. Dieser verband bei dieser besonderen baulichen Situation Alt und Neu zu einer zeitlos wirkenden Wohnoase, die sich harmonisch in die gewachsene Parzellenstruktur einfügt und großzügige Anbindung an den Außenraum bietet.
Die größte Herausforderung bestand darin, in die Baulücke des abgerissenen Gebäudes einen Neubau einzufügen sowie die Remise und den jahrzehntealten Walnussbaum zu integrieren. Der Baukörper musste sich einerseits an der bauzeitlich heterogenen Nachbarbebauung orientieren – andererseits sollte er straßenseitig einen Kompromiss finden zwischen der in den Straßenraum hineinragenden historischen Ortskernbebauung und dem Fluchtlinienplan von 1900: In intensivem Austausch des Architekturbüros mit der Baubehörde wurde eine Lösung für die Straßenfassade entwickelt, die im Erdgeschoss die Straßenflucht aufnimmt und durch den abgerundeten Vorsprung im Obergeschoss eine harmonische Verbindung zu den Nachbarhäusern herstellt. Gleichzeitig nimmt der monolithisch errichtete Neubau straßenseitig die Lochfassaden der Nachbarhäuser auf. Allein zum Garten öffnet sich der viergeschossige Baukörper mit großzügigen Fenstern, die mit variierenden Sonnenschutzelementen versehen sind, um die zwei Maisonette-Wohnungen vor direkter Sonneneinstrahlung und Aufheizung zu schützen. Die hofseitig liegende Remise, die als Gästehaus genutzt wird, wirkt mit ihrer rustikalen Backsteinfassade wie ein Bestandsbau. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Ersatzneubau, der an gleicher Stelle und in gleicher Kubatur neu errichtet wurde – mit seinen rauen, historischen Rheinländer Feldbrandziegeln als bewusster optischer Kontrast zur weißen Feinputzfassade des Vorderhauses.
Um historische Bezüge weiter zu stärken, wurden wichtige Blickbezüge zwischen den Gebäuden erhalten. So liegt etwa das Treppenhaus des Vorderhauses genau dort, wo sich früher die Hofdurchfahrt befand. Wie einst eröffnet sich so auch heute der Blick auf die Remise. Beide Familienwohnungen sowie das Gästehaus bieten ein großzügiges Durchwohnen auf jeweils zwei Etagen, wahlweise mit Anbindung an den Garten und Blick auf den alten Walnussbaum oder in Verbindung mit zwei großzügigen Dachterrassen, die Fernblicke auf Rhein und Siebengebirge ermöglichen. Die von zwei Familien genutzten Wohnräume sind dabei hochwertig mit Eichenholzparkett ausgestattet. Die hellen Tageslichtbäder wurden elegant mit italienischen Fliesen gestaltet. Oberlichter über den Innentüren lassen Tageslicht in die inneren Zonen der Wohnungen. Energetisch überzeugt das Gebäudeensemble durch eine zentrale, energieeffiziente Sole-Wasser-Wärmepumpe mit CO₂-neutralem Betrieb und Fußbodenheizung. Moderne Durchlauferhitzer übernehmen die Warmwasseraufbereitung. Gründächer optimieren die Wärmedämmung im Winter und wirken zugleich kühlend im Sommer.
Fotos:
Constantin Meyer
www.constantin-meyer.de
(Erschienen in CUBE Köln Bonn 02|26)






