Erlebnis Eis

Eine Eisdiele in der Düsseldorfer City geht mit einem ganzheitlichen Konzept neue Wege

In einer Zeit, in der sich Gastronomiekonzepte zunehmend über Atmosphäre definieren, geht das Eislab Düsseldorf in der Immermannstraße 22 einen entscheidenden Schritt weiter: Es transformiert die klassische Eisdiele in ein räumliches Erlebnis – präzise inszeniert, visuell aufgeladen und konsequent als Marke gedacht. Statt eines Ortes des schnellen Konsums, entsteht ein Raum, der Wahrnehmung lenkt. Architektur, Innenraum und Produkt verschmelzen zu einer choreografierten Einheit. Besucher:innen betreten nicht einfach nur eine Eisdiele – sie werden Teil einer ganzheitlichen Inszenierung.

Der Entwurf vom Büro and sphere verbindet Funktionalität mit einer starken ästhetischen Aussage. Besonders hervorzuheben sind die klare Identität des Raumes sowie seine Fähigkeit, als Erlebnisraum zu funktionieren – nicht nur als Verkaufsort. Trotz der klaren gestalterischen Haltung bleibt das Konzept bewusst zugänglich und spricht ein breites, urbanes Publikum an. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die nachhaltige Ausrichtung der Marke, die sowohl in der Eisproduktion selbst als auch in der räumlichen Umsetzung mitgedacht wird. Im Zentrum steht dabei eine klare Haltung, die das gesamte Projekt trägt: „Eis als Erlebnis, Raum als Performance und Design als Identität“. Dieser Ansatz ist nicht bloß Leitmotiv, sondern wird konsequent in Raum übersetzt. Das Eis selbst wird zum performativen Element, der Verkaufsprozess zur Interaktion und der Raum zur Bühne. Die Gestaltung folgt dabei keiner dekorativen Logik, sondern einer präzisen Reduktion: Materialien werden gezielt eingesetzt, um Kontraste zu schärfen und den Raum als visuelles Statement zu definieren. Die Materialien und Oberflächen sind bewusst ausgewählt, Details wurden präzise ausgearbeitet. Nichts ist zufällig – alles zahlt auf die Identität des Ortes ein. Im Zentrum befindet sich dabei ein transparentes, vollständig einsehbares „Produktionslabor“. Raumhohe Glaspaneele trennen den Vorbereitungsbereich vom Gästebereich und machen den Produktionsprozess bewusst sichtbar – als Bühne für handwerkliches Können und Präzision. Die verspiegelte Decke verwandelt den Raum zudem in ein Spiel der Wahrnehmung – sie reflektiert, vervielfältigt und löst den Raum in Licht, Volumen und Illusion auf. Dieses Gästeerlebnis setzt sich auf Straßenebene fort: Die gesamte Fassade lässt sich vollständig öffnen und verschmilzt so nahtlos mit dem Bürgersteig. Skulpturale Steinblöcke dienen als minimalistische Sitzgelegenheiten und schaffen einen fließenden Übergang zwischen öffentlichem Raum und kuratierter Gastfreundschaft. Eine zentrale Rolle spielt auch das Licht, das den Raum modelliert, Akzente setzt und Aufmerksamkeit erzeugt. Dabei entsteht eine Atmosphäre, die gleichermaßen kühl wie sinnlich wirkt – eine Balance, die das Produkt Eis subtil reflektiert. Das Konzept bleibt dabei stets funktional klar strukturiert, aber doch im Hintergrund. Stattdessen dominiert die Inszenierung: Der Raum erzählt eine Geschichte, bevor überhaupt ein Produkt gewählt wird.

www.andsphere.com

Fotos:
Hosung Jang
hosungjang.cargo.site

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|26)

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