Den Bestand neu erzählen
Ein Bungalow wird behutsam aufgestockt, neu geordnet und minimalistisch gestaltet
Die Wohnarchitektur der 1960er-Jahre und die der Gegenwart weisen in ihrer gestalterischen Klarheit und den funktionalen Raumlösungen bemerkenswerte Parallelen auf. Auch ein Bungalow in Korschenbroich brachte bereits gute Grundvoraussetzungen für das Traumhaus eines Bauherrenpaares mit – doch die Ansprüche an Wohnfläche und Wohnkomfort konnten das eingeschossige, sanierungsbedürftige Bestandsgebäude mit altem Baumbestand im Garten nicht vollständig erfüllen. Der Architekt Florian Schmitz aus Korschenbroich entwickelten daher einen behutsamen Umbau, der das Gebäude aufstockt, saniert und neu organisiert – mit minimalistischer Klarheit und gezielt eingesetzten Materialakzenten.
Bauherren und Architekt waren sich von Beginn an einig, dass der Bungalow in einer gewachsenen Siedlung mit heterogener Bebauung seine bauzeitliche klare, kubische Formensprache bewahren und sich in den Kontext der Nachbarhäuser einfügen sollte – ohne die Ansicht zu dominieren. Daher erhielt lediglich der hintere Teil des L-förmig zugeschnittenen Bestandsgebäudes eine Aufstockung, nachdem zuvor eine statisch notwendige Zwischendecke über dem Bestand eingezogen worden war. Die ausgewogene Proportionierung und die klare Linienführung werden durch die differenzierte Materialwahl besonders hervorgehoben: Der helle, handgebrannte Klinker eines dänischen Herstellers verleiht dem eingeschossigen Gebäudeteil eine besondere Tiefe und Wertigkeit, die von der weißen Putzfassade des aufgestockten Kubus harmonisch ergänzt wird. Die im Verlauf eines Tages entstehenden Licht- und Schattenwirkungen tragen dazu bei, dass die Fassade nicht nur erneuert wirkt, sondern geradezu eine neue Geschichte erzählt. Im Erdgeschoss entsteht durch großzügige, dunkel gerahmte Verglasungen ein offenes Raumgefühl, das den Blick unmittelbar in den Garten lenkt und den Außenraum zum Teil des Wohnens macht. Im offen gestalteten Wohn- und Essbereich unterstreicht zudem ein fugenloser, vollständig recyclingfähiger Gussboden die großzügige Raumwirkung und betont zugleich die klare, reduzierte Architektursprache. Sowohl die Arbeitsfläche der Küche, als auch Teile des Bades wurden dazu in Naturstein ausgeführt, wodurch sich zum Boden hin kontrastierende Akzente ergeben. Maßgefertigte Holzeinbauten wie die Regalwand mit Sideboard oder der durchgehend aus einem Baumstamm gefertigte Esstisch erzeugen eine harmonische Materialkontinuität und bringen natürliche Wärme mit besonderer haptischer Qualität in den klar strukturierten Wohnraum. Energetisch entspricht das Wohnhaus dem neubautypischen KfW55-Energiestandard; zur smarten Steuerung und Vernetzung sämtlicher Haustechniksysteme wurde ein KNX-System integriert.
Fotos:
Marcello Bartolotta
www.derfotograf.nrw
(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|25)
