Aus drei mach vier
Eine Bestandswohnung in Giesing wird zum Raumwunder für eine Familie
Mehr Raum schaffen, ohne umzuziehen – wie das gelingen kann, zeigt die „Wohnung O“ eines Münchner Paares mit zwei Kindern im Stadtteil Giesing. Durch eine clevere, platzsparende Neuorganisation von Küche, Wohnbereich und Bad wurde aus einer klassischen Dreizimmer-Altbauwohnung mit Wohnküche ein wahres Raumwunder. Auf heute rund 84 m² entstand neben den bestehenden Wohnräumen ein zusätzlicher Raum für die Eltern als kleines Homeoffice. Parallel dazu wurde der Stauraum optimiert, sodass die Wohnung nun deutlich großzügiger und funktionaler wirkt. Das Konzept stammt aus der Feder des Münchner Architekturbüros IFUB* und trug dazu bei, dass die Familie ihren angestammten Wohnraum nicht verlassen musste.
Gleichzeitig wurde mit gezielten Eingriffen die Wohnsituation in vielerlei Hinsicht verbessert: Helle Räume, klare Strukturen sowie ein lebendiges Farb- und Materialkonzept schaffen eine Atmosphäre, die gleichermaßen entspannt wie inspirierend wirkt. Farbliche Akzente in Koralle, hellem Gelb und Blau beleben das ansonsten ruhige Farbkonzept aus hellen Grundtönen und puristischen Holzfußböden. Wie bei der Küche: Die bestehenden weißen Unterschränke blieben erhalten und wurden mit neuen, farbenfrohen, gelben Oberschränken in eine hellblaue Einbautenwand eingebettet. Der markant gestaltete Griff des Kühlschranks wurde als zusätzlicher Farbakzent entworfen und verleiht der Küche eine beinahe grafische Wirkung, die an Kompositionen Piet Mondrians erinnert. In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz waren zudem gezielte Eingriffe möglich, die den Grundriss deutlich aufwerten. Küche, Wohnzimmer und Bad wurden neu organisiert und platzsparend umgestaltet. Dadurch entstand ausreichend Fläche für ein separates Elternschlafzimmer mit kleinem Arbeitsbereich. Der Clou: Durch ein großes, schallgedämmtes Fenster fällt Licht durch das neue Schlafzimmer ins heutige Wohnzimmer.
Das Innenfenster wird abends mit einem Vorhang verschlossen. So bleibt die Privatsphäre gewahrt. Die Küche wurde auf die andere Seite des Gebäudes verlegt und liegt nun direkt am Balkon zum Innenhof. Und sogar der vormals beengte Sanitärbereich ist jetzt vollständig familientauglich: Aus einem Bad und einer Abstellkammer wurde ein neues Wannen- und ein zusätzliches Duschbad. Zwischen den beiden Bädern wurden zwei Oberlichter angeordnet, um auch das kleine Duschbad mit natürlichem Licht zu versorgen. Für die Pufferung von Feuchtigkeit und Gerüchen wurden nicht nur die neuen, sondern auch die alten Wände mit Lehm verspachtelt, sowie eine neue abgehängte Decke aus Lehmbauplatten eingezogen.
Fotos:
Sorin Morar
www.sorinmorar.de
(Erschienen in CUBE München 02|26)

