Verwandlung in grüne Oase
Ein verwilderter Hospizgarten in Recklinghausen wird zum vielseitigen Kraftort
Die Neugestaltung eines verwilderten Grundstücks am Hospiz zum Heiligen Franziskus in Recklinghausen stellte auch für den Garten- und Landschaftsplaner Marius Surmann eine außergewöhnliche Aufgabe dar. Nicht nur, weil die Umsetzung im TV-Wettbewerb „Duell der Gartenprofis“ entschieden wurde, sondern auch, weil die 1.500 m² große Fläche vielen Anforderungen und Wünschen in einem sensiblen Bereich gerecht werden musste.
Der Recklinghäuser überzeugte mit einem Konzept, das die Bedürfnisse und Wünsche der Hospizbewohner:innen sowie der betreuenden Pflegekräfte und Angehörigen unter Einhaltung des Budgets in Einklang brachte. Entstanden ist ein Garten zum Kraftschöpfen und Erholen, der rollstuhlgeeignet ist und unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten bietet: mehrere Sitzbereiche, eine lange Tafel für gemeinsame Picknicks, eine Wiese, eine Kräuterschnecke, ein Wasserbecken und ein Wasserspiel, die das Areal mit allen Sinnen erleben lassen sowie einen Gedenkort für verstorbene Bewohner:innen. Ein etwa 150 Meter langer Rundweg mit einer rollstuhlgeeigneten, wassergebundenen Wegedecke bildet die Verbindung zum Haupthaus und führt vorbei an rund 5.000 Stauden, Gräsern und Gehölzen, die das vormals undurchdringliche Dickicht in ein Meer aus intensiven Farben verwandelt haben. Etwa zehn Tonnen Bauschutt waren zuvor aus dem Garten entfernt worden, bis Jurakalkfelsen als Sitzgelegenheiten und rund 100 Tonnen Schotter für Terrassen und Wege Einzug halten konnten. Eine große, schattenspendende Kastanie, die nun mit geflochtenen Bändern als Gedenkbaum für die Verstorbenen fungiert, umrundet nun eine maßangefertigte Sitzbank aus Holz. Eines der Highlights ist ein aus Cortenstahl erstelltes Hochbeet, das auch Menschen im Rollstuhl erleben können. „Riechen, schmecken und fühlen auf einfache Weise möglich machen – das war uns wichtig. Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Heiligenkraut und Currykraut können hier mit allen Sinnen erfahren werden“, erläutert Marius Surmann. Das Pflanzensortiment lässt den Hospizgarten zu jeder Jahreszeit zum Erlebnis werden.
Zum bereits vorhandenen und freigelegten Baumbestand und einer neu gepflanzten, Sichtschutz bietenden Hainbuchenhecke gesellen sich Korkflügelsträucher, Bodendeckerrosen, Zimtahorn, Blaurauke, Eichenblatthortensien und unzählige weitere Pflanzen, die für farb- und geruchsintensive Eindrücke sorgen. Auch die Tierwelt ist willkommen: So wurden Vogel- und Insektenhäuser sowie in einer ruhigen Ecke ein Igelhaus aufgestellt. Der Garten für alle hat schon während seiner Entstehung begeistert und Hospizmitarbeitende und Angehörige zur Mitarbeit motiviert.
Fotos:
Timm Heese
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 02|26)
