Berlins neue Mitte

Das Forum an der Museumsinsel wertet das historische Zentrum Berlins auf

Der Ursprung des heutigen Forums an der Museumsinsel liegt überraschend in einer Tiefkühlpizza: Mit deren Vermarktung wurde Ernst Freiberger so vermögend, dass er sich in Berlin als bedeutender Immobilieninvestor etablierte. Sein größtes Vorhaben war die Entwicklung eines historischen Stadtquartiers auf einem 80.000 m² großen Areal zwischen Oranienburger Straße, Spree, Montbijou- und Tucholskystraße – ein Projekt, das ihn über zwei Jahrzehnte begleitete und zu seinem Lebenswerk wurde.

Auf dem Gelände stehen acht Gebäude aus vier Jahrhunderten, darunter ein klassizistisches Logenhaus, Bauten der Charité, neobarocke und neoklassizistische Palais sowie technische Zweckbauten wie das Haupttelegraphenamt und das Fernsprechamt. Freiberger ließ sie zu einem zusammenhängenden Ensemble formen und investierte mehrere hundert Millionen Euro in ihre Restaurierung und Umnutzung. 2023 wurde das Forum eröffnet. Im Zentrum des Projekts steht der neu geschaffene Stadtplatz – das eigentliche Forum – ein öffentlich zugänglicher Hof mit Bäumen, Brunnen und Sitzgelegenheiten. Im Wesentlichen waren es zwei Architekturbüros, die konzeptionell und praktisch an der Realisierung des Projekts federführend verantwortlich waren: David Chipperfield Architects und Patzschke & Partner. David Chipperfield Architects verantworteten den Masterplan, die städtebauliche Gesamtidee, die Gestaltung des zentralen Platzes und die übergeordneten Leitlinien für den Umgang mit dem historischen Bestand. Darüber hinaus übernahm das Büro auch die Restaurierung, Sanierung und Erweiterung mehrerer Schlüsselbauten im südlichen Teil des Areals: die ehemalige Frauenklinik von Martin Gropius & Heino Schmieden sowie die Neue Frauenklinik der Charité aus den 1930er Jahren, im Ensemble als „Bauhaus“ bekannt.

Auch das abgerissene Torhaus wurde durch einen Neubau nach Plänen Chipperfields ersetzt – der einzige Neubau im Ensemble und ein bewusst zurückhaltender, klarer Baukörper, der die historischen Fassaden rahmt, ohne mit ihnen zu konkurrieren. Parallel dazu war das Büro Patzschke & Partner für die detailgetreue Sanierung und Rekonstruktion mehrerer historischer Fassaden und Umbauten verantwortlich, insbesondere am Haupttelegraphenamt, am Simon-Palais und an der Residenz Monbijou. So entstand ein Stadtquartier, das historische Substanz, zeitgenössische Architektur und neue Nutzungen verbindet.

www.patzschke-architektur.de
www.davidchipperfield.com

Fotos:
Ute Zscharnt

(Erschienen in CUBE Berlin 02|26)

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