Neuer Treff für Kids
Die „Neue 18“ – Jugendfreizeiteinrichtung in der Spandauer Neustadt
In der Neustadt Spandau, einem inhomogenen Wohngebiet, das im 19. Jahrhundert als Arbeiterwohnviertel nördlich der Spandauer Altstadt entstand, wurde dringend ein Jugendfreizeittreff benötigt. Unweit des Spandauer Sees wurde nach Plänen der Berliner Architektenpartnerschaft Bolwin-Wulf der „Treffpunkt Neue 18“ gebaut. Auflagen der Denkmalbehörde bestimmten einen Massivbau mit Klinkerfassade, damit sich das Gebäude dem Charakter der umliegenden Gebäude anpasst. An seiner Ostseite ist es an einen Kirchenbau aus den 30er-Jahren angebaut.
Das Architektenteam strebte danach, dem Gebäude eine optische Prägung zu geben, die nach außen hin ein unkonventionelleres Erscheinungsbild zeigt, als der übrige Stadtraum. Dies wird einerseits durch ein unterschiedliches grafisches Muster der beiden Schichten der Klinkerfassade erreicht. Des Weiteren wurden die Fenster rasterlos über die Fassade verteilt – mal mit Laibung, mal ohne, mal bündig in der Außenwand, mal zurückversetzt – mal groß, mal klein, mit tiefer oder hoher Brüstung. Das Zentrum des Hauses bildet eine Halle, auch „der Treff“ genannt, in der Gebäudemitte, nach oben offen über zwei Ebenen. Um diesen inneren Kern sind die übrigen Räume auf drei Ebenen mit einer sehr speziellen Wegeführung angeordnet – alle Flure führen wie eine Art Labyrinth wieder in die Halle zurück. Dort dient eine große Freitreppe als Sitzgelegenheit während Veranstaltungen im zentralen Treff. Dieser und andere Einfälle gehen auf die Jugendlichen zurück, die an der Konzeption des Gebäudes mitwirkten. Das Gebäude ist in drei Bereiche aufgeteilt: in Ruhe-, Spiel- und Kommunikationszonen. Die Konfiguration der Baukörper ist so gewählt, dass die einzelnen Funktionsbereiche sich deutlich unterscheiden und außen ablesbar sind.
Das Haus ist nicht unterkellert – zugunsten eines ausgeklügelten Heizungssystems, eines „ambitionierten Konzepts“, wie die Architekten es nennen. Es basiert auf Betonkernaktivierung oder, einfacher, thermischer Bauteilaktivierung. Die massiven Betonbauteile wie Decken, Böden und Wände werden mit einem wasserführenden Rohrsystem ausgestattet. Der „Energielieferant“ ist ein Eisspeicher, der zum Heizen und auch zum Kühlen des Gebäudes dienen kann. Zudem gibt es eine Sole-/Wasserwärmepumpe. Eine zusätzliche Gastherme kann bei Spitzenlasten zugeschaltet werden. Dieses aufwändige System wurde gewählt, um möglichst viele natürliche Ressourcen – Solarenergie, Geothermie und Außenluft nutzen zu können.
Fotos:
Klemens Renner
www.klemensrenner.com
(Erschienen in CUBE Berlin 01|26)