Einstige Kirche wird Kunstraum

Subtiler Kirchenumbau lässt Begegnungsstätte in neuem Kontext entstehen

Die katholische Pfarrkirche Heilig Geist in Essen-Katernberg, nahe der Zeche Zollverein, wurde zwischen 1955 und 1957 nach den Entwürfen von Dominikus und Gottfried Böhm errichtet und ist ein herausragendes Beispiel für die Nachkriegsmoderne. Das Gebäude, das sowohl die Kirche als auch das angrenzende Gemeindehaus umfasst, steht seit 2019 unter Denkmalschutz. Nach der Profanierung im Jahr 2020 wurde es von 2024 bis zur Eröffnung im Frühjahr 2025 zum Kunstraum Heilig Geist umgestaltet. Die Planung und Umsetzung erfolgten durch die Architektin Claudia Dahm, die mit behutsamen Eingriffen die ursprüngliche Raumstruktur bewahrte und sensibel weiterentwickelte.

Der Bau gilt als eines der ersten Sakralgebäude der Nachkriegszeit, in dem Beton als konstruktives Element eingesetzt wurde. Die Grundidee basiert auf der Vorstellung der Gemeinde als Nomadenvolk, was sich in der markanten, gewölbten Dachform des Mittelschiffs widerspiegelt. Diese erinnert an ein Zeltdach aus fallendem Stoff und prägt sowohl die Außen- als auch die Innenwirkung. Den industriellen Charakter unterstreicht eine gläserne Rasterfassade, die in den 1980er-Jahren durch bunte Glasscheiben ersetzt wurde. Der Altarbereich war zentral im Mittelschiff verortet, A-förmige Betonträger trennten das Mittelschiff von den niedrigeren Seitenschiffen. Im Laufe des Umbaus, der in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde erfolgte, wurden die ursprünglich roten Ziegelwände im Inneren mit einer reversiblen, weißen Schlämme versehen. Diese macht die besondere Haptik des Materials erfahrbar und ermöglicht die Hängung von Kunstwerken. Die ursprünglichen Einbauten, wie die Orgelempore sowie Stehleuchten in der ehemaligen Unterkirche im abgesenkten Bereich, wurden zurückgebaut, um die ursprüngliche Raumwirkung wiederherzustellen. „Besonders prägend war der Rückbau der bunten Glasscheiben, die den Raum wieder in seiner besonderen Helligkeit erstrahlen lassen“, freut sich Claudia Dahm. Aus dem Marmor des ehemaligen Altars hat der belgische Künstler Kris Martin eine Skulptur geschaffen, die im Außenraum vor der Kirche die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft symbolisiert. Unterstützt wurde der Umbau durch den Innenarchitekten Felix Hemmers, der die Details der Innenraumgestaltung begleitete. Ein neues Beleuchtungssystem mit Leuchtschienen sorgt für eine flexible und an die neue Nutzung angepasste Ausleuchtung. In der ehemaligen Sakristei sind nun Sanitärbereiche sowie ein Büro untergebracht. Derzeit wird das Gemeindehaus zu Künstlerateliers ausgebaut. In Verbindung mit dem Welterbe Zeche Zollverein ist ein Raum entstanden, der zeitgenössische Kunst mit lokalen Initiativen verbindet und sich wieder für die Menschen öffnet.

www.architektur-dahm.de

Fotos:
Felix Hemmers
www.studiohemmers.de

(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 03|25)

Nothing found.

Stimmige Lichtinszenierung

Das Metronom Theater in Oberhausen erstrahlt in neuem Glanz

Monolith aus Keramik

Besondere Materialien prägen ein großzügiges Wohnhaus in Mönchengladbach

Zirkulär und nachhaltig

Arbeiten, Feiern und Urlaub machen im Holzbau-Quartier an der Ostsee

Schönheit am Hang

Ein Einfamilienhaus spielt mit der Topografie des Geländes

Nothing found.

HILD-2_19_700pixel

Frisch herausgeputzt

Ein erhaltenswertes Gebäudeensemble wurde behutsam modernisiert

Nr_075-Kopie_15_700pixel

Den Platz optimal genutzt

Eine Essener Kieferorthopädiepraxis ersetzt Einzelräume durch Behandlungskojen

WIEH-01_15_700pixel

Ganz schön schräg

Ein Einfamilienhaus im Spannungsfeld von Strenge und Leichtigkeit

Modern und einladend

Der Hauptsitz der Commerzbank in Essens Innenstadt erhielt ein frisches Innen-Design

IMG_8470_15_700pixel

Sonnengarten an der Wupper

Ein Stadtgarten erhält durch einen Komplettumbau ein völlig neues Gesicht

stf-hocker-3-2_b_22_700pixelOIGXXaut4M5PH

Lokal und nachhaltig

Die Industriedesi­gner Lena Halbedel und Florian Krohm designen Möbel aus Restholz aus dem Ruhrgebiet.

Jeden Zentimeter genutzt

Ein minimalistischer Neubau fügt sich optimal in ein kleines Baufeld ein