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Rosa ist das neue Grau

Atelierhaus aus durchgefärbtem Leichtbeton

Fast ist das altrosa gefärbte Kleinod in Riederau am Ammersee zu einem Wallfahrtsort geworden:... mehr

Fast ist das altrosa gefärbte Kleinod in Riederau am Ammersee zu einem Wallfahrtsort geworden: „Es kommen allerdings nur Architekten“, erzählt der Hausherr. Er und seine Frau, die Architekten Axel Tilch und Gisela Drexler, sind so etwas wie Betonpioniere, wenn man die Großen der Zunft, Le Corbusier, Louis Kahn oder Tadao Ando einmal kurz hinten anstellt. Pure Betonbauten wie dieser, sind hier in der ländlichen Gegend eine Seltenheit und werden eher misstrauisch beäugt. Dabei ist dies nicht der erste Streich des Architekten-Duos: Schon vor 30 Jahren hatten sie die Baugenehmigung für ihr Wohn- und Arbeitshaus aus grauem Leichtbeton auf dem selben Grundstück drei Jahre lang bei der Gemeinde erstritten. Zwar regt sich inzwischen keiner mehr auf, doch in den 1980er-Jahren war es offenbar noch ein Sakrileg, nicht im Voralpenstil zu bauen.

Beide Gebäude verwirren das Auge zunächst, weil sich deren Grundriss und Raumaufteilung nicht auf Anhieb offenbart. Das ältere Wohnhaus hat noch heute einen avantgardistischen Auftritt und das neue einstöckige Atelierhaus steht ihm ebenbürtig zur Seite. Die Biegung der zur Straße gelegenen Südfassade ahmt deren Kurve nach. Durch Schaufenster-große Schiebetüren betritt man einen völlig asymmetrischen Raum, spitzwinklig vorn, breiter werdend in der Mitte. Hier kann gekocht, gewohnt oder auch gearbeitet werden. Die 50 cm dicken Außenwände sorgen für ein angenehmes Raumklima, sind gleichzeitig Dämmung und an kalten Tagen hält der Grundofen aus Schamottsteinen die Wärme gut zehn Stunden lang. Durch einen schmalen Gang gelangt man in einen zweiten Raum, etwas dunkler und kleiner als der vordere, vorbei an einem mit zur Farbe des Betons passenden Glasmosaikfliesen ausgekleideten Badezimmer – eine Raumfolge von insgesamt 50 m² Größe, auf denen es sich angenehm wohnen lässt.

Da die Kubatur des Hauses von außen nicht zu erahnen ist, verblüfft die Länge der Rückwand, von der eine „angelehnte“ Schiffsleiter auf das Sonnendeck auf dem Dach führt. An einer dritten Außenwand stapelt sich unter einer Auskragung das Brennholz. In Summe ergibt sich damit ein polygonales Bauwerk, das am ehesten noch einem Trapez gleicht.

Der Leichtbeton – durch Zumischung von geblähtem Material luftiger als herkömmlicher Beton mit seiner porösen Oberflächenstruktur - wurde vor Ort geschalt und gegossen und die Außenwände später hydrophobiert, sprich Wasser abstoßend präpariert. Die Ankerlöcher sind bewusst sichtbar geblieben. Die rötliche Durchfärbung erfolgt im Betonmischer durch Zugabe von Pigmenten, genauer: einer aus China stammenden eisenoxydhaltigen rötlichen Erde. Eine erfreuliche Begegnung mit experimentierfreudigen Bauherren und einem völlig unkonventionellen, komplett anderen Haus – in Altrosa.

www.tilch-drexler-architekten.de

Architekten: Architekten Axel Tilch und Gisela Drexler www.tilch-drexler-architekten.de... mehr

Architekten:

Architekten Axel Tilch und Gisela Drexler
www.tilch-drexler-architekten.de

Fotos:

Michael Christian Peters
www.peters-fotodesign.com