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Die Unternehmerstadt in Derendorf

Vierter Teil unserer Serie: Das casa altra von Mario Bellini

Im Norden Düsseldorfs ist in den letzten fünfzehn Jahren eines der gelungensten... mehr
Im Norden Düsseldorfs ist in den letzten fünfzehn Jahren eines der gelungensten Konver­sionsprojekte nicht nur der Landeshauptstadt, sondern auch weit darüber hinaus entstanden: Die Unternehmerstadt hat das ehemalige Areal der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik in ein zentrales, leicht zu erreichendes Stadtquartier verwandelt mit einer einzigartigen Mischung aus traditionellen Büronutzern, Media-Agenturen, Mode-Showrooms, individuellen Wohnanlagen, einem Hotel und mehreren Freizeiteinrichtungen. Im vierten Teil unserer Serie geht es um das 2012 fertiggestellte casa altra des bekannten italienischen Architekten und Designers Mario Bellini aus Mailand. Das Bürogebäude reiht sich in die Perlenkette von Lighthouse, doubleU und dem erweiterten Bestandsgebäude der Rheinmetall-Hauptverwaltung an der Ulmenstraße ein. Mit spektakulären, aus dem Lot gebrachten, dynamischen Fassadenschrägen bricht casa altra das rechtwinklige Schema klassischer Bürogebäude angenehm auf. Entwickelt wurde das „Andere Haus“ gemeinsam von der Rheinmetall Immobilien GmbH und der Projektentwicklungsgesellschaft die de­veloper GmbH. Der siebengeschossige, von zwei Seiten aus erschlossene Block basiert auf einem trapezförmigen Grundriss, der sich um einen begrünten, gläsernen Innenhof erstreckt. Oberhalb des verglasten Erdgeschosses wurde das Gebäude allseitig um acht Grad geneigt, was sich nicht nur an der Fassade deutlich zeigt, die aus dreifarbigen Aluminiumelementen groß­flächig zusammengesetzt wurde. Auch die Schräg­stellung der äußeren Stützen des Stahlbetonskelettes lässt die dynamische Ausrichtung spürbar werden. Vor allem die vertikalen Gebäudekanten des Solitärs werden dadurch besonders betont. Konterkariert wird diese Bewegung von zwei gläsernen, aus der Flucht hervortretenden Eckvorbauten, in denen die Gastronomie und Besprechungsräume untergebracht sind. Bellinis komplex verschobene Komposition reagiert dabei subtil auf ihren städtebaulichen Kontext: Das casa altra überbrückt zwischen dem doubleU und der Rheinmetall-Hauptverwaltung spielend die unterschiedlichen Baufluchten, ohne dass dabei der Ausblick auf einen der Nachbarn verstellt werden würde. Erschlossen wird der kontextbewusste Solitär von zwei Seiten aus: Einerseits von der neuen Fußgängerallee, die sich auf der Seite des doubleU in die Unternehmerstadt hinein streckt; andererseits von der Derendorfer Allee, von der aus auch die Zufahrt zu den beiden Tiefgaragenebenen mit ihren insgesamt 250 PKW-Stellplätzen erfolgt.

Die beiden Zugänge haben eigene Eingangsfoyers mit jeweils zwei Aufzugskernen, was eine flexiblere Mietteilung der Etagen ermöglicht. Boden und Wandverkleidungen wurden repräsentativ aus anthrazitfarbenem Naturstein und Werkstein ausgebildet. Besonderes viel Wert wurde auf die Außenbeleuchtung gelegt: Die Glasvorbauten, die das Betriebsrestaurant und die Cafeteria beherbergen, werden vom Fassadenfußpunkt aus durch LEDs illuminiert – meistens in einem warmen Weißton, zu Events aber auch mal in blauen, roten oder grünen Stimmungstönen.

Die über dem Erdgeschoss liegenden fünf Büroetagen mit einer vermietbaren Gesamtfläche von rund 13.000 m2 lassen sich flexibel in Einzel- oder Großraumbüros unterteilen. Die doppelverglasten, senkrecht in die Fassade eingelassenen Fensterelemente sind durch einen Pfosten so untergliedert, dass eine Trennwandstellung im Achsraster von 1,35 m möglich wird. Dabei verfügen die Büros über die Möglichkeit einer natürlichen Be- und Entlüftung. Der Sonnenschutz lässt sich individuell steuern. Die zur Außenfassade bzw. zum vollflächig verglasten Innenhof ausgerichteten Büros haben eine maximale Tiefe von fünf Metern. Besonders zur Innenhofseite ergibt sich dadurch eine Vielfalt von räumlichen Ausblicken durch das Gebäude.

Oberhalb des sechsten Geschosses des casa altra liegt eine weitere Etage für die komplette Aufzugs- und Haustechnik. Die Formgebung des Gebäudes unterstreichend wurde sie in das Bauvolumen komplett integriert – die Lüftungsschlitze, die man von außen an der Fassade erkennt, spiegeln das deutlich wider. Zur Innenhofseite befinden sich auch auf dieser Etage weitere Büroräume. Von ihnen lässt sich der Blick in den geöffneten, dem Wetter ausgesetzten Innenhof wohl am besten genießen. Mit seinen grauen Natursteinplatten und der Bambusbegrünung strahlt er eine fast konzentrierte, klösterliche Atmosphäre aus, durch die ineinander gespiegelten Glasreflexionen wirkt er zugleich aber auch ganz dynamisch – genauso wie die Unternehmerstadt selbst.

www.unternehmerstadt.com
www.bellini.it




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Architekten

MARIO BELLINI ARCHITECTS www.bellini.it

Fotos

Michael Godehardt
www.godehardt.info