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Bunker-Wechsel-Dich

In Düsseldorf gibt es spannende Transformationen der alten Schutz- und Trutzburgen

Die Metamorphose ist ein uralter Menschheitstraum. Auch Bauwerke müssen sich immer wieder den... mehr

Die Metamorphose ist ein uralter Menschheitstraum. Auch Bauwerke müssen sich immer wieder den Anforderungen neuer Entwicklungen stellen. Das ist nicht immer leicht – zumal wenn es Bauten sind, die allen Erschütterungen eigentlich widerstehen sollen. Zu dieser Gruppe gehören Bunkerbauten, wie der 2. Weltkrieg sie hervorgebracht hat und die auch siebzig Jahre nach Kriegsende immer noch in den Städten so herumstehen, als hätte die Abrissbirne vor ihnen kapituliert. Auch in Düsseldorf gibt es noch genügend Orte an denen die alten Schutz- und Trutzburgen überlebt haben – es gibt aber auch einige herausragende Beispiele, die vorführen, dass Veränderung auch ohne Komplettabriss denkbar ist.

In der Pariser Straße im Stadtteil Heerdt hing der Knöterich schon in langen Bahnen vom Dach und verbarg die Betonmasse zumindest saisonweise unter einem grünen Kleid. Als vor Jahren der vernachlässigte, linksrheinische Stadtteil zunehmend in den Blick der Investoren kam, wurde es dann spruchreif: Die selbst in Heerdt ansässige 741 Projektentwicklung GmbH bestellte riesige Diamantensägen, die binnen drei Monaten große Öffnungen in die 2,30 m dicken Außenwände und alle Zwischendecken fraßen. Nachdem so rund 5.000 t Stahlbeton – etwa ein Drittel des Originalmaterials – entfernt waren, wurde der verbliebene Rest der Struktur auf sieben Etagen aufgestockt und mit auskragenden kubischen Anbauten versehen. Dadurch entstanden 24 großzügige Terrassen- und Penthousewohnungen, die es mittels zweier Lastenaufzüge erlauben, den eigenen PKW auf die bis zu 225 m2 großen Terrassen zu nehmen. Von dem eigentlichen Bunker ist im „Papillon“ allerdings so gut wie nichts übriggeblieben. Die nicht weit entfernt, an der Stadtgrenze zu Neuss liegende „Bunkerkirche“ verhält sich dazu wie das Kontrastprogramm. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg entstanden, verdankt sie ihre Existenz dem Engagement des Ruhr-Kaplans Carl Klinkhammer, der die Umwandlung des Hoch- und Tiefbunkers in einen Kirchenraum zu seiner Lebensaufgabe machte. Bereits 1950 hatte er zusammen mit Gemeindemitgliedern den Bunker, den die Nationalsozialisten auf einem Grundstück errichteten, wo schon lange eine Kirche vorgesehen war, von 1.000 t Stahlbetonschutt befreit und einen hohen, von abstrakten Glasfenstern beleuchteten Kirchenraum geschaffen, der bis heute beeindruckt, weil er mehr den Umbauprozess als das Resultat thematisiert.

Mit dem runden Erschließungsturm, dem eine Glockenspitze aufgemauert wurde, scheint sich der Kirchenbau aus dem Bunker fast natürlich heraus entwickelt zu haben. Auch der Bunkerturm, der sich unweit des Klemensplatzes an den Wallanlagen von Kaiserswerth auftürmt, hat als Wohnhochhaus schon 1955 eine Weiternutzungsperspektive bekommen. Als der Bund 2007 das Gebäude veräußerte, entstanden auch hier Luxuswohnungen mit bestem Rheinblick. Selbst wenn er einer modernen, kriegswütigen Epoche entstammt, ordnet sich der stadtturmartige Bau doch erstaunlich gut in das traditionelle Ortsbild an den alten Wallanlagen ein.