Ausblick ohne Einblick

Längs ausgerichtete Villa schafft viele Blickbezüge und schützt die Bewohner

Haus-mit-Burgblick_01_Ansicht-Nord_01_42_700pixel

Die Burg Kronberg ist eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Burgen in der Region. Wer in Kronberg wohnt, möchte – falls möglich – natürlich einen Blick auf diese bedeutende Sehenswürdigkeit der Stadt genießen. Architekt Wolfgang Ott aus Kronberg realisierte diesen Wunsch seiner Bauherren. Doch auch Blicke in das nahegelegene Tal und auf den auf dem schmalen Grundstück stehenden alten Mammutbaum sollte das neue Heim gewähren.

Um alle Blickbezüge herzustellen, haben die Architekten ein längs ausgerichtetes Gebäude mit einem Kopfbau konzipiert, der sich aus dem Erdgeschoss erhebt, einer Röhre gleich der Burg entgegenstreckt und sie mit seiner vollverglasten Stirnseite fokussiert. Das Schrägdach dieser „Röhre“ lenkt im Innern den Blick aus dem Wohnbereich durch das Obergeschoss auf den nachts beleuchteten Burgturm und ermöglicht diesen Blick sowohl aus der Küche durch den Innenhof über dessen begrünte Dachfläche als auch aus dem Schlafzimmer durch den Luftraum des Essbereiches. Um auch den alten Mammutbaum einzubeziehen, wurden die Wandscheiben der beiden Gebäudevolumen etwas schräg gestellt, sodass sie im Grundriss eine Gegenrichtung zu dem sich zur Burg windenden Kopfbau bilden. So entstanden der unterkellerte zweigeschossige Eingangsbaukörper und der aufstrebende Kopfbau mit einem Innenhof und einem schmalen, beide Gebäudeteile verbindenden Gang. Der Innenhof als Gelenk des Gebäudes ist zugleich Zentrum der Außenanlage. Er nimmt einen Teil der großzügigen Natursteinterrasse auf, beherbergt den alten Mammutbaum und endet am Sitzpool mit seiner angrenzenden Sitzbank.

Ein Blickfang ist die Haut aus eigens angefertigten konischen Aluminiumlamellen, die den skulpturalen Neubau umhüllt. Die unterschiedliche Ausrichtung der Lamellen schafft dabei nicht nur eine lebendige, changierende Fassade – diese transluzente Haut verkleidet auch einige Fensteröffnungen und schützt so die Bewohner vor Blicken. Integrierte Lichtfugen entlang der Fassaden zeichnen die Form des Gebäudes am Boden und an den Dachüberständen nach und verbinden beide Baukörper.

Im Erdgeschoss des Hauptbaukörpers finden sich die untergeordneten Nebenräume des Hauses in einem Funktionsblock, der mit geschäumten Aluminiumplatten verkleidet ist. In diesen ist auch die Küche integriert, deren Kochblock sich zum zweigeschossigen, luftigen Essbereich ausrichtet. Im Obergeschoss liegt der Privatbereich mit Ankleide, Bad und Sauna. Im Erdgeschoss des Kopfbaus wurden der Wohnbereich und der durch eine Sichtbetonwand abgetrennte und dreiseitig verglaste Thinktank untergebracht. Im Obergeschoss liegt der Arbeitsbereich.

Zwei gegenüberliegende Treppen, die mit einer einladenden Sitzbank verbunden sind, führen in die jeweiligen Obergeschosse. In den Räumen ordnen sich alle Möbel und Ausbauelemente dem klaren Gesamtkonzept unter und ergänzen die Wirkung der Architektur. So unter anderem die flächenbündig in die Verkleidungen integrierten Türen, die gestalteten Türgriffe und Beschläge. Drehbare, mit Filz bespannte Lamellen lassen sich verschließen oder geben den Blick aus dem Schlafzimmer durch den Luftraum zum Burgturm frei. Kissenförmig hergestellte, tragende Betonelemente dienen als Schmuck und Rückwand im Schlafzimmer.

Die Außenanlage ist vielfältig mit dem Gebäude verzahnt. Eingangspavillon, Carport und Feuerstelle führen die Gestaltung des Wohnhauses konsequent fort. Pflaster und Plattenbeläge aus Naturstein sowie Trittsteinflächen definieren die jeweiligen Zonen. Natursteinmauern bilden eine Ebene um den Baukörper freizustellen. Die konsequente Verwendung eines Natursteins mit den verschiedenen Oberflächenbehandlungen erzeugt in Kombination mit gebundenen Kiesflächen eine edle und einheitliche Anmutung.

www.ott-line.com

Fotos:

Timon Ott
www.timonott.com

(Erschienen in CUBE Frankfurt 02|22)

Architekten:

Wolfgang Ott Architekt
www.ott-line.com

Rohbau:

Gebr. Hofmann
www.hofmannbau-kronberg.de

Dachdecker:

Weidmann und Feger
www.fegerdach.de

Schreiner:

Schreinerei Hein
www.schreinerei-hein.de

Außenanlagen:

Schiesser Gartengestaltung
www.schiesser-gmbh.de

Leuchten:

Tal
www.tal.be
Platek
www.platek.eu

Fenster:

Schüco
www.schüco.de

Heizung:

Weishaupt
www.weishaupt.de

Schalter, KNX:

Gira
www.gira.de

Küchentechnik:

Miele
www.miele.de

Armaturen, Sanitärkeramik:

Agape
www.agapedesign.it

Nothing found.

Harmonische Nachverdichtung

Aus Platz für eine Familie wird Wohnraum für fünf Parteien

Zeit für Wandel

Ein etablierter Bürostandort wird in ein Innovationscenter transformiert

Licht, Holz und Raum

Die Revitalisierung eines Bestandsgebäudes in Neuperlach schafft neue Arbeitswelten

80 Jahre Gestaltungskompetenz

Jab Anstoetz blickt auf eine außergewöhnliche Unternehmensgeschichte

Nothing found.

SHND0108_15_700pixel

Skandinavisch angehaucht

Haus am Hang vereint Gemeinschaftsbereiche und Rückzugsorte

SHND0068_19_700pixel

Klar, Hell & Großzügiger

Ehemals verschachtelter Grundriss wird zur harmonischen Einheit

Transformation mit Seele

Sensibel restaurierte Jahrhundertwende-Villa wird zur Bühne eines modernen Lebensgefühls

Aussen_Total_04_15_700pixel

Neue Identität

Der Mittelpunkt des Hauses ist die offen gestaltete Wohnlandschaft mit Wohn-, Essbereich und Küche mit einer angenehmen Großzügigkeit und viel…

Historisch & modern

Sanierung und Erweiterung des Crespo Hauses interpretiert ein Stück Frankfurt neu

Bewegung & Geborgenheit

Architektur für Entfaltung: Eine Kita, die von innen nach außen gedacht wurde

zweiheit-x-Holzhaus_1_15_700pixel

Holzhaus mit Stil

Refugium mit Holzduft und vielen Finessen

Schalenstapel_gekippt_indre_15_700pixel

Klare Linien und Farben

Marianne Steinborn fertigt nordisch inspirierte Alltagskeramik