Vitale Neuordnung im Raum
Modernes Arbeiten für eine internationale Kanzlei am Potsdamer Platz
Im Kollhoff-Gebäude am Potsdamer Platz 5 entstand für die internationale Anwaltskanzlei Linklaters LLP unter dem Titel „Time (R)evolution“ ein neues Bürodesign, das die Geschichte des historischen Platzes ebenso einbezieht wie die Relevanz zukunftsweisender Arbeitswelten.
Das Gestaltungskonzept vom Architekturbüro CSMM soll die Transformationen des Ortes räumlich erfahrbar machen und übersetzt die Gebäudegeschichte in drei gestalterische Epochen: Der Mandantenbereich greift mit subtilen Anklängen an die 1920er-Jahre die Handschrift von Professor Hans Kollhoff auf, dessen an klassischer Moderne angelehnte Formensprache die Berliner Innenstadt bis heute prägt. Die Arbeitsbereiche verkörpern indes das sogenannte „sleek present“– zeitlos, hell und reduziert auf das Wesentliche. Die Gemeinschaftszonen stehen für eine neue Identität: farbenfroh, offen und auf Interaktion ausgerichtet. Relevante Bestandselemente wurden bewusst integriert und neu inszeniert: Hierzu zählen sowohl originale Türen als auch die Flurleuchten von Louis Poulsen (von Halogen auf LED umgerüstet); ebenso der Empfangstresen und die markante Onyx-Wand im Eingangsbereich sowie die von Hans Kollhoff entworfenen Zitronenholzpaneele und Beschläge. Als klassische Kanzlei mit überwiegend verzimmerten Arbeitsbereichen stellte sich bei Linklaters LLP vor allem die Frage, wie Rückzug und konzentriertes Arbeiten mit Austausch und Gemeinschaft verbunden werden können. Als gestalterisches Element diente das kommunikative Zentrum der Kanzlei als neu geschaffenes „Social Heart“: Die vormals geschlossene Bibliothek wurde geöffnet und über beide Etagen verteilt, während der zuvor fensterlose Flur Glastrennwände erhielt, die Licht und Transparenz schaffen. Variierende Flurbreiten ermöglichen neue Gemeinschaftszonen wie Teeküchen, Druckerstationen und Bibliotheksbereiche – und schaffen so entspannte Orte für Begegnung und Wissensaustausch.
Berlin ist bereits die vierte Niederlassung der renommierten Kanzlei, die das Architektenteam mit einem modernen Office-Konzept ausstattete. Der Umbau erfolgte in zwei Bauabschnitten während des laufenden Betriebs – eine sowohl planerische als auch organisatorische Herausforderung, die vor allem durch eine sensible Abstimmung und präzise Koordination gemeistert wurde. Entstanden ist ein räumliches Narrativ, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Büro zieht: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begegnen sich hier nicht nur konzeptionell, sondern im realen Raum. Die Ästhetik der klassisch-modern angelehnten Kollhoff-Architektur blieb erhalten; sie wird durch eine zukunftsweisende Raumneuordnung erweitert und subtil in die Corporate Identity der Bauherrschaft eingebettet.
Fotos:
Fabien Gruber
www.fabigruber.de
(Erschienen in CUBE Berlin 01|26)
