Die Kür des Kreises

Eine radiologische Praxis im Medienhafen transformiert die historische Siloarchitektur

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Seit der Jahrtausendwende erlebt das frühere Industrieareal Plange Mühle im Medienhafen eine Transformation. Nach dem historischen Holzsilo wurden nun auch die zehn erhaltenen Getreidesilos aus dem Jahr 1929 von ingenhoven associates denkmalgerecht umgebaut. In den monumentalen Sichtbetonsilos befinden sich auch die neuen Praxisräume der Radiologie Düsseldorf von Dr. med. Nils A. Krämer. Innenarchitektin Claudia de Bruyn, Inhaberin des Ratinger Architekturbüros two_space, hat in der beeindruckenden historischen Röhrenarchitektur eine einzigartige Raumfolge für die Röhren der Radiologie geschaffen.

„Ziel der Innenarchitektur war es, die Geometrie der ursprünglichen Architektur mit ihren 2 x 5 axial angeordneten, runden Silos in allen Ebenen nachzuzeichnen“, erzählt de Bruyn. „Die Vergangenheit sollte dabei mit der Gegenwart in einem vielschichtigen Gestaltungskonzept verbunden werden.“ Dafür wurden zunächst die hohlen Siloröhren der Länge nach aufgeschlitzt und entkernt. So entstand eine zentrale Raumachse mit den geöffneten Silos zu zwei Seiten. Die Bestandswände aus grob geschaltem Sichtbeton sind nur weiß gestrichen, um die Struktur erkennbar zu lassen und doch aufzufrischen. Freistehende, runde Wandsegmente komplettieren die aufgeschnittenen runden Räume. Sie sind mit Pinatex, einem nachhaltigen Material aus gepressten Ananasfasern, bespannt. Durch die silberne Beschichtung muten sie futuristisch an und schaffen so einen visuellen Bezug zur Hightech-Diagnostik der Praxis, die über modernste 3-Tesla-MRT- sowie CT-Scanner verfügt. Überhohe Glastüren verbinden die Betonwände mit den Wandsegmenten und lassen Rundgänge durch die Räume zu. Die expressive Lamellendecke im Flur erzeugt dazu einen dynamischen Horizont, ohne den Blick in die Rohdecke mit ihrer komplexen Technik zu verdecken. Betritt der Patient die Praxis, so zeigt sich die Decke in einem Blauton, der für Ruhe und Vertrauen steht, aber auch auf den nahen Rhein verweist. Beim Verlassen erscheint die Decke gelb – eine Reminiszenz an den ehemals hier gelagerten Weizen und Ausdruck für Optimismus und körperliche Kraft. Die runden Innenräume schaffen eine starke Fokussierung der Menschen im Raum. Die Bodenmaterialien geben Anzeichen auf den Grad der zugeschriebenen Intimität der jeweiligen Orte: Während das öffentliche Zentrum des Flurs mit geschliffenem Estrich belegt ist, wurden die Zonen vor den Besprechungsräumen mit einem radial verlegten Eichenparkett eher wohnlich gestaltet. Runde Teppiche verstärken durch das Material und den Farbverlauf von Gelb nach Weiß die Intimität einer Zone zusätzlich. Große, als Kreissegmente konstruierte Tische drängen auf den räumlichen Mittelpunkt und schaffen eine Atmosphäre des konzentrierten Miteinanders beim Gespräch.

www.two-space.com
www.radiologie-duesseldorf.de

Fotos:

Peter Kalte Speetproduction
ingenhoven associates / HGEsch

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|22)

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