Ideen in die Realität bringen

Der Architekt und Künstler Christian Heuchel über das „SechtM“ und die Herausforderungen eines Pilotprojektes in der Parkstadt Süd

CUBE: Herr Professor Heuchel, man hat Ihren Namen immer mit dem Kölner Bürositz von Ortner&Ortner verbunden – seit 2023 sind Sie nun aber zur Urbanlust GmbH umfirmiert. Wie hängt das mit der Parkstadt Süd und dem Projekt „SechtM“ zusammen?  
Christian Heuchel: Ich bin Stadtplaner, Architekt und Künstler und habe 2015 den ersten internationalen Wettbewerb für die Parkstadt Süd gewonnen. Den habe ich damals noch gemacht für die Ortner & Ortner Ziviltechniker Gesellschaft in Wien als geschäftsführender Gesellschafter.  Die habe ich dann während des Projektes 2019 umfirmiert in die O&O Baukunst GmbH Köln – denn in Köln ist es ja immer wichtig, „One Face to the Customer“ zu haben, auch wenn ich kein „Kölsche Jong“ bin. Eigentlich bin ich ja ein reiner Pfälzer, aber auch am Rhein groß geworden. 2023 habe ich das Unternehmen dann in die Urbanlust GmbH umgewandelt – was viel damit zu tun hatte, dass ich mir meine jungen Assoziierten von der Düsseldorfer Kunstakademie geholt habe, wo ich ja selbst studiert und lange gelehrt habe und mittlerweile auch Professor bin. Ein permanenter Namenswechsel – aber ich bin sowohl der Urheber der Parkstadt Süd als auch des Projektes „SechtM“, als auch Urheber der hier entwickelten Farbenkunst.

Pure Kontinuität also…
Ja, Kontinuität in einer Vielfalt. Übrigens habe ich 2024 auch unsere Partnergesellschaft Schulbauteam gegründet, mit Sitz in Essen und Köln. Ich bin aber auch der „architektmitderpuppe“ mit dem gleichnamigen Podcast und Inhaber des Kunstbüros bHK. Ich sage immer so: Ich bin der Meister in Non-Profit-Unternehmen – als Start-up. Natürlich hoffe ich, dass ich die Vollendung der Parkstadt Süd in Köln auch noch erleben werde.

Also dann mal in medias res: Wofür steht das Projekt „SechtM“? Wodurch zeichnet es sich besonders aus?
Da muss ich wieder an die Kunstakademie zurück, wo ich ja Meisterschüler bei Ernst Kasper war. Er sagte einmal zu mir: „Christian, man ist Sklave seines Konzeptes.“ Als Architekt, Stadtplaner und Künstler fragt man sich immer: Wie überführe ich meine Ideen, die sich irgendwann natürlich entwickeln, in die Realität? Auch bei der Parkstadt Süd und bei dem Projekt „SechtM“ ist das wesentlich: Ich ende ja nicht in Ideen, die dann irgendwie zermatscht werden.

Genau, es hat ja doch alles ganz konkrete Formen angenommen…
Ich fange an, ich will diese Parkstadt bauen. Das ist wichtig für Köln. 15.000 Menschen werden dort leben – wir brauchen ein Pilotprojekt, das die Themen abfedert. Und dann komme ich von Hölzchen auf Stöckchen und entwickle dieses Projekt – wobei ich als Architekt natürlich eher der Dirigent bin. Nun bin ich jetzt nicht jemand, der sagt, es muss unbedingt eckig sein oder quadratisch oder irgendwas. Das interessiert mich nicht. Aus dem Raumprogramm entsteht bei mir immer die Form – auch das vor Jahren von mir entwickelte Landesarchiv Duisburg ist eine rechnerische Architektur. Ich wusste, ich muss 136 Regalkilometer unterbringen – etwa die praktische Entfernung von Köln nach Frankfurt. Ein Regal – zwei Meter Höhe. Und das musste ich hineinbringen in den Turm. Beim Projekt „SechtM“ musste ich halt den Bauherren hineinbringen: eine Wohnungsbaugesellschaft – die größte in Köln.

Die GAG….
Genau – das einzige Unternehmen, das seit sechs Jahren geförderten Wohnungsbau herstellt. Aber daher auch ein Projekt unter starkem Druck. Glücklicherweise hatte die GAG ein Grundstück dort – und nachdem wir als Büro das städtebauliche Konzept für die Parkstadt Süd gewonnen hatten, waren sie bereit, mit uns zusammen und mit der Stadt Köln in einen Prozess hineinzugehen. Ein gemeinsames Pilotprojekt – und Pilot heißt hier: Wie geht die Mobilität in der Parkstadt Süd? Wie geht die Dichte? Wie geht der Mixed-Use in der Parkstadt Süd? Welche Wohnformen können eigentlich heutzutage – auch nach Baugesetz – zusammengepackt werden? Wie gehe ich um mit den striktesten Angaben der GAG hinsichtlich Wohnungen? Schließlich:  Wann zertrümmert so ein Projekt irgendwelche Finanzierungen? Für einen normalen Investor, der kein Bestandshalter ist, ist das nichts. – Das alles und mehr ist in das Projekt „SechtM“ eingesickert: Wir machen alles das, was ein Pilotprojekt aushält, ohne dass es sich dabei zerschlägt.

Christian Heuchel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Paul Andreas, freier Redakteur für Architektur und Interior Design.

Hören Sie das gesamte Interview, das hier als Auszug veröffentlicht ist, auch als Podcast.


Prof. Christian Heuchel

Christian Heuchel ist Architekt, Künstler und Städtebauer mit einer interdisziplinären Praxis zwischen Architektur, visueller Kultur und urbaner Transformation. Er entwickelt experimentelle Entwurfsansätze, die Disziplingrenzen überschreiten und architektonische Präzision mit künstlerischer Forschung verbinden. Seine Arbeiten untersuchen die Wechselwirkungen zwischen gebautem Raum, Gesellschaft und Wahrnehmung. Neben Bauprojekten realisiert er installative und kuratorische Formate zu Fragen von Öffentlichkeit und Nutzung.

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 02|26)

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