Transformation statt Neubeginn
Ein alter Speicher in Dortmund wird zum Standort eines Medienunternehmens
Am Dortmunder Hafen entsteht mit dem Lensing Media Port kein neues Kapitel, sondern die Fortführung einer Geschichte: der Geschichte eines Speichers, der seine Bestimmung verändert, ohne seine Identität zu verlieren. Tragwerk, Volumen und industrielle Fassadengliederung bleiben spürbar und bilden die Grundlage für eine neue, vielschichtige Nutzung. Das historische Gebäude an der Speicherstraße wurde um einen Neubau und ein Staffelgeschoss erweitert, sodass zirka 9.000 m² Nutzfläche entstanden.
Der Entwurf von SHA Scheffler Helbich Architekten mit Sitz in Dortmund versteht den Bestand nicht als Einschränkung, sondern als strukturellen Vorteil. Die robuste Bauweise ermöglicht großmaßstäbliche Raumtiefen und flexible Grundrisse, die sich an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Ergänzt werden diese Qualitäten durch ein zusätzliches Staffelgeschoss und einen gläsernen Anbau, die den zeichenhaften Ausdruck des Gebäudes fortschreiben, ohne seine industrielle Prägung zu überformen. Alt und Neu stehen dabei in einem ruhigen, klaren Verhältnis zueinander.
Das Gebäudekonzept verknüpft unterschiedliche Funktionen zu einem räumlichen Ganzen: Büroflächen, Gastronomie und Veranstaltungsbereiche sind nicht getrennt, sondern bewusst räumlich verzahnt. Besonders im Erdgeschoss öffnet sich der Lensing Media Port zum Wasser und zur Speicherstraße und verankert das Gebäude im öffentlichen Raum des sich wandelnden Hafens.
Arbeit, Austausch und Öffentlichkeit finden hier gleichzeitig statt. Der Arbeitsort ist keine in sich geschlossene Zone mehr, sondern ein offener Baustein des Quartiers. Terrassen, Freitreppen und Blickbeziehungen erzeugen Bewegungen und Bezüge zwischen Innen und Außen; sie machen sichtbar, was im Inneren geschieht, und laden zur Teilhabe ein.
New Work ist hier keine Randnotiz, sondern wird räumlich gelebt. Die Architektur legt die Grundstruktur frei: Offenheit, Robustheit und Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten. Aufbauend darauf verantwortet das Innenarchitekturbüro Joi-Design die Innenraumgestaltung. Das Interior übersetzt den architektonischen Charakter in differenzierte Arbeitslandschaften, die Teamarbeit ebenso ermöglichen wie Rückzug und fokussiertes Arbeiten. Architektur und Innenarchitektur greifen dabei nahtlos ineinander.
Der Lensing Media Port ist Teil der Entwicklung der Speicherstraße und stärkt die Rolle des Dortmunder Hafens als Arbeits-, Wissens- und Stadtraum. Als Bestandteil dieses Gesamtkonzepts trägt der Lensing Media Port zur Quartiersentwicklung der südlichen Speicherstraße bei, die beim Deutschen Städtebaupreis 2025 ausgezeichnet wurde.
Fotos:
SHA
Karsten Wickern
www.karstenwickern.de
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 01|26)