Back to the Roots

Ein Bauernhof erhält den Charme eines unaufgeregten Altbaus zurück

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Eine gelungene Modernisierung nach 200 Jahren Lebenszeit war einem alten traditionellen Bauernhof an einem kleinen Weiher nahe des Starnberger Sees vergönnt. Die neuen Besitzer, eine Patchworkfamilie, hatten sich wegen seiner malerischen Lage und trotz seines baufälligen Zustandes in das Haus verliebt. Zunächst war nur von geringfügigen Renovierungen die Rede. Als die Bauherren jedoch Sebastian Wiedemann und sein Büro swa.studio zu Rate zogen, wurde aufgrund der Expertise des Architekten schnell klar, dass es damit nicht getan sein würde. Wiedemann, der sich u. a. auf die Sanierung und den Umbau ländlicher Gebäude im Umfeld Münchens spezialisiert hat, machte schnell klar, dass zunächst der Rückbau eines früheren unsachgemäßen baulichen Eingriffs aus den 1980er-Jahren erforderlich war. Erst danach wurde deutlich, welches Potenzial in diesem Haus steckt.

Das Ergebnis ist mehr als überzeugend: Aus Bauernhaus, Scheune, Hühnerstall und weiteren bis dato nicht nutzbaren Räumlickeiten wurde ein doppelgeschossiges Schmuckstück mit ausgebautem Dachgeschoss. Soeben wurde das Gebäude in die Liste der „Häuser des Jahres 2020“ aufgenommen. Oberste Prämisse war, die Qualitäten des Alten herauszuarbeiten und die ruhige und einfache Atmosphäre zu bewahren. Im Erdgeschoss wurde aus Wohnen, Essen und Küche, die sich nun im ehemaligen Hühnerstall befindet, eine Einheit gebildet. Die schmale langgezogene Küchenzeile wurde mit Naturstein mit einem eingefrästen Spülbecken versehen und die Fronten mit Zinnblech verkleidet. Ein Multifunktionsraum an der Schnittstelle zwischen Wohnhaus und Scheune, nur abgetrennt durch eine luftige Stahl-Glasfassade, verbindet die beiden Gebäudeteile und erschließt über einen Steg aus einer modernen Stahlkonstruktion das Dachgeschoss. Im neu ausgebauten Dach befindet sich nun der Rückzugsbereich für die Eltern mit einer Preziose ganz besonderer Art: Vom offenen, mit dem Schlafzimmer verbundenen Bad, dessen Boden und Wände aus fugenlosem Tadelakt – einem traditionellen wasserfesten Kalkputz – sind, gelangt man ins großzügige Schlafzimmer unter freigelegten Dachbalken und buchstäblich unter blau-grünem Himmel, dank eines intensiven Farbanstrichs, der eine sehr angenehme Raumqualität vermittelt. Es wurde großer Wert auf alte Techniken, natürliche Baumaterialien und eine augenscheinlich handwerkliche und nicht industrielle Ausführung aller Gewerke gelegt. „Dies bietet die Möglichkeit, in einer modernen Sprache zu arbeiten und dennoch dem Bauwerk gestalterisch und technisch gerecht zu werden“, erläutert Wiedemann.

www.swa.studio

Fotos:

Sorin Morar
www.sorinmorar.de

(Erschienen in CUBE München 01|21)

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