Altes Gebäude neu ergänzt

Kriegszerstörtes Industriegebäude Gertrudshof komplett wiederhergestellt

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Der denkmalgeschützte Industriebau Gertrudshof in Friedrichshain hat durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg schwer gelitten. Nur einer von drei Gebäudeteilen blieb vollständig erhalten, der zweite war zur Hälfte zerstört, der dritte dem Erdboden gleichgemacht. 2019 fanden sich Bauherren und eine Arbeitsgemeinschaft von zwei Berliner Architekturbüros, Studio Julian Breinerdorfer mit Rimpau Bauer Derveaux – Partnerschaft von Architekten, zusammen, um das Gebäude wieder komplett aufzubauen.

Das Gebäude beherbergte früher eine Tischlerei. Nach der Wiederherstellung richtete Nike Europa hier sein neues Headquarter ein. Die Fassade des intakten Gebäudes im Norden wurde sorgfältig saniert, wobei sichtbare Narben von Kriegsbeschädigungen belassen wurden. Die gemauerten Gewölbe im Innern wurden sandgestrahlt und ebenfalls saniert. Der nur halb erhaltene Mittelteil erhielt eine neue Aufstockung mit Betongewölben anstelle der früheren gemauerten Deckenrundungen. Das schwarze Fassadenprofil folgt dem historischen Muster der ursprünglich glasierten Ziegelfassade. Der völlig zerstörte dritte Gebäudeteil wurde als Stahlbetonbau mit einer sehr transparenten Fassade aus großen Fensterelementen neu wieder aufgebaut. Auch die Deckengewölbe wurden aus Beton wiederhergestellt. Die Verkleidungen des außen liegenden Sonnenschutzes wurden mit weißen, die Geometrie der Betongewölbe nachzeichnenden Fassadenelementen kaschiert. Eine Dachaufstockung verbindet die drei Gebäudeteile und ist nun als Dachterrasse nutzbar. Um Gewicht zu sparen, wurden hier leichte Stahlstützen und Holz verwendet.

Auch auf ökologische und umweltschonende Details wurde Wert gelegt: Um den Energieverbrauch gering zu halten, wurde auf eine mechanische Lüftung verzichtet. Der bereits erwähnte textile Sonnenschutz und die thermische Masse des Betons reduzieren den Kühlbedarf erheblich. Die Gläser der Fenster erhielten zusätzlich eine Sonnenschutzbeschichtung und nachts gibt es eine automatisierte Lüftung. Das Flachdach ist als Retentionsdach ausgebildet und hält das Regenwasser in Boxen zurück, sodass es nur portionsweise in die Kanalisation gelassen wird. Zusätzlich wird Nässe durch die Bepflanzung des Daches aufgefangen.

www.julianbreinersdorfer.com
www.rimpaubauerderveaux.com

Fotos:

Anja Dotter
Max Schroeder
www.max-schroeder.com
Branislav Jesic
www.branislav-jesic.com

(Erschienen in CUBE Berlin 03|21)

Architekten:

Studio Julian Breinersdorfer mit Rimpau Bauer Derveaux
www.julianbreinersdorfer.com
www.rimpaubauerderveaux.com

Bauleitung:

Becker + Hofstätter
www.becker-hofstaetter.de

Tragwerksplanung:

Ingenieurbüro Volker Link
www.statikbuero-berlin.de

TGA-Planung:

AK Ingenieurgesellschaft
www.akingenieure.com

Elektroplanung:

ITK Ingenieure
www.itk-ingenieure.de

Bauphysik:

Nicky Schmidt
bauphysik-schmidt.de

Gründach:

Optigrün
www.optigruen.de

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